PROPAGANDA: Artikel in "DIE WELT" (Springer Verlag): "Eine Minderheit, die keine sein will"

Veröffentlicht: Freitag, 15. September 2017 Drucken E-Mail

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Landsleute,

eigentlich bin ich mir sicher, dass es sich gar nicht lohnt, sich mit dem unten aufgeführten bösartigen Artikel von Nikolaj Klimenjuk "Eine Minderheit, die keine sein will" auseinanderzusetzen, denn seine antideutsche Haltung ist ja aufgrund seiner bisherigen ähnlichen "Ausfälle" gegen unsere Volksgruppe längst bekannt. Auf die Bitte eines einheimischen Freundes möchte ich doch noch auf ein paar Behauptungen in diesem Artikel kurz reagieren.

Völlig falsch ist schon die Überschrift, auch wenn diese wohl eher der Redaktion von "Die Welt" als dem Autor selbst anzulasten wäre: Deutsche aus Russland sind genauso wenig eine "Minderheit" in Deutschland wie es die Bayern, Sachsen, Hessen, Thüringer usw. sind. Sie waren zwar eine ethnische Minderheit im Vielvölkerstaat Sowjetunion (nicht im "sogenannten", wie der Autor schreibt, sondern im echten multiethnischen und multikulturellen Vielvölkerstaat - UdSSR) und nicht zuletzt deswegen wollte auch Großteil von ihnen von dort bei der ersten Gelegenheit weg und in die "historische Heimat" zurückkehren. Es ist erstaunlich, aber bis heute gab es keine ernsthafte wissenschaftliche Untersuchung dieses freiwilligen Massen-Exodus der Deutschen aus der Großmacht UdSSR in die BRD, die ja von der in der ehem. Sowjetunion allgegenwärtigen staatlichen Propaganda mehrere Generationen lang nur negativ dargestellt wurde, neben der "imperialistischen Besatzungsmacht" USA, versteht sich.

Ebenso wenig stimmt die Behauptung:"In den Neunzigerjahren, als über zwei Millionen deutschstämmige Aussiedler aus der zerfallenden Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten in die Bundesrepublik kamen, galten sie als ungebildet, kriminell, schwer integrierbar und oben drauf eine Belastung für das Sozialsystem. Also die übliche Haltung gegenüber allen Einwanderern aus ärmeren Ländern."--> Das größte Problem der deutschen "Aussiedler", insbesondere aber der "Spätaussiedler" war in erster Linie eine nicht so schnell zu heilende Folge des Zweiten Weltkrieges, für welche die Überlebenden des im heutigen Russland per Gesetz anerkannten Völkermordes unter Stalin jedoch nichts können: Es waren die ihnen mit Gewalt geraubten Deutsch-Kenntnisse. Die aus der zerfallenden UdSSR vor den vielen ethnischen Konflikten und Kriegen geflüchteten "Russlanddeutschen" erschienen den Einheimischen deswegen als ZU WENIG DEUTSCH (?!), so die deutschen Medien von damals. Moment mal, wo landen wir denn, wenn wir aber mit den gleichen Maßstäben auch die "sonstigen Zuwanderer" messen würden? Dabei sind die fehlenden Deutsch-Kenntnisse bei den heutigen wie auch allen bisherigen "Migranten" keineswegs die Folge des Zweiten Weltkrieges, für welchen Deutschland die "volle Verantwortung" übernommen hatte! Zweierlei Maß? Doppelmoral? Scheinheiligkeit? Heuchelei? Nationaler Masochismus? Antideutscher Rassissmuss? Was denn eigentlich?

 Unhaltbar sind die von Autor verwendeten Adjektive "ungebildet, kriminell, schwer integrierbar", auch wenn manche der deutschen Massenmedien tatsächlich immer wieder versucht haben, mit solchen Unterstellungen, einen Keil in die "deutsche Schicksalsgemeinschaft" (so das Bundesverfassungsgericht) zu treiben, und zwar in Bezug auf die erst heimgekehrten Deutschen aus Russland (Teile und Herrsche?). Trotz jahrzehntelanger Diskriminierung in der ehem. UdSSR lag der Bildungsstand der Deutschen aus Russland dennoch über dem bundesdeutschen Durschnitt und die Kriminalitätsbelastung unter dem Durchschnitt. Die gelegentlichen Angriffe in den Massenmedien waren ideologisch motiviert und haben sich aufgrund der in aller meisten Fällen sehr positiver persönlicher Erfahrungen der deutschen Bürger mit dieser sehr fleißigen und rechtstreuen Volksgruppe relativ schnell von selbst zerschlagen. Nicht zufällig zeigten die seriösen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass die Integration dieser Menschen eine "Erfolgsgeschichte" war, ganz besonders wenn man sie mit der Integration von "Menschen mit Migrationshintergrund" vergleicht, die u.a. auch sehr viel länger in Deutschland leben.

Absurd ist auch der letzte Satz von der "üblichen Haltung" und den "ärmeren Ländern". Vielleicht ist diese Haltung im Heimatland des Artikel-Autors auch tatsächlich "üblich", nicht jedoch in Deutschland. Was die angeblich "arme" Russische Föderation angeht, so gehört sie - allein schon wegen der Größe und unbegrenzt erscheinender Natur-Ressourcen - weiterhin zu den reichsten Ländern der Welt. Trotz eines starken Einbruchs im Leben einfacher Menschen nach dem Zerfall der UdSSR ist die Russische Föderation zwar tatsächlich wirtschaftlich "abgestürzt", jedoch nicht auf die Ebene der "armen Ländern", sondern "lediglich" auf den ca. 13.-14. Platz unter allen Ländern der Welt...

Die Feststellung "Das ist ein Zustand, den die meisten von ihnen mit Sicherheit nicht mögen, denn in der Regel ist erhöhte Aufmerksamkeit mit Vorurteilen und sich daraus ergebenden Unannehmlichkeiten verbunden: Diskriminierung, Misstrauen, Alltagsxenophobie" ist zwar richtig, aber warum dem so ist, wird vom Autor seltsamerweise nicht mehr erklärt. Dass dies nicht "von Natur gegeben" bzw. schon immer so war, sondern nur als eine Folge des Zweiten Weltkriegs und des Völkermordes in der ehem. UdSSR zu sehen ist. Wer hat denn die Verantwortung dafür übernommen? Auch ohne die ständig wiederholten Beteuerungen bundesdeutscher Politiker über die "historische Verantwortung und moralische Verpflichtung" Deutschlands gegenüber den unschuldigen russlanddeutschen Kriegsopfern, reicht hierzu doch nur ein Blick in unser Grundgesetz (siehe Art. 116 GG für die BRD).

Nicht korrekt ist auch der Satz "Sie wurden für Russen gehalten, obwohl sie sich als Heimkehrer empfanden und mit einem freundlicheren Empfang in der historischen Heimat gerechnet hatten"--> Diese Menschen waren und sind deutsche Heimkehrer, völlig unabhängig davon, ob sie für solche "gehalten" wurden. Die Politik hat zwar völlig überstürzt und rechtswidrig (weil rückwirkend) das Heimkehrer-Gesetz abgeschafft, viele haben jedoch nichtsdestotrotz ihre "Heimkehrerbescheinigungen" oder auch Bescheinigungen nach dem Häftlingshilfegesetz für die im Ausland politisch verfolgten Deutsche erhalten. Es ist weltfremd, nur deswegen eine Grenze durch die Familien der Deutschen aus Russland zu ziehen, weil ein Teil der Familie durch die deutsche Politik, z.B. mit einer blitzschnell eingeführten Obergrenze, die dann auch noch jährlich "angepasst" wurde (nach unten versteht sich), sowie mit allerlei sonstiger - eines Rechtstaates unwürdigen - Schikanen KÜNSTLICH "in den Vertreibungsgebieten" aufgehalten wurde (sieben Jahre Wartezeit auf einen Aufnahmebescheid war keine Seltenheit)...

Falsch sind auch viele andere Behauptungen im o.g. Artikel, auf die ich nicht mehr näher eingehen kann/will, wie zum Beispiel:

-"Dieser Situation liegt ein gravierendes Missverständnis zugrunde. Das Bundesvertriebenengesetz, die rechtliche Grundlage für die "Heimkehr" der Aussiedler, macht keinen Unterschied zwischen deutschen Minderheiten in der UdSSR und den Ländern Ost- und Mitteleuropas." --> Es war kein "Missverständnis, sondern die Absicht der Gründungsväter der Bundesrepublik Deutschland, die auch im Grundgesetz klar zum Ausdruck kommt.

-"Aber im Gegensatz etwa zu Schlesiern oder Siebenbürger Sachsen sind die allermeisten Russlanddeutschen Nachkommen von Immigranten der Neuzeit." --> Bei solch schwachen Geschichtskenntnissen sollte man sich mit diesem Thema am besten gar nicht befassen: Im Russischen Reich gibt es Deutsche schon seit mindestens 1.000 Jahren! Alle von ihnen, auch wenn sie zu dieser Zeit lediglich einen deutschen Namen hatten, waren sowohl vom Völkermord unter Stalin, als auch vom Exodus nach der Grenzöffnung und Untergang der Sowjetunion betroffen.

-"Ihre Verbindung mit dem deutschen Kulturraum war weniger stark, wenn überhaupt vorhanden. Selbst dort, wo man untereinander Deutsch sprach, war es oft nicht die erste Sprache, außer in sehr abgeschlossenen, stark religiös geprägten Gemeinden."--> Die Verbindung zum deutschen Kulturraum brach erst mit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" nach dem Zweiten Weltkrieg richtig ab, und auch das nicht zu 100 Prozent, denn es gab ja immer noch das "sozialistische Bruderland" - die DDR...

-"Altansässige deutsche Minderheiten aus den baltischen Ländern und den östlichen Gebieten von Polen, Rumänien und Ungarn – man denke an Memel, Lemberg oder Czernowitz –, die die UdSSR nach 1939 annektierte, wurden ins Reich umgesiedelt, was ein Teil der Abmachung zwischen Stalin und Hitler war." --> Auch hier zeigt der Autor schwache Geschichtskenntnisse: Zu der oben genannten Menschengruppe gehörten auch viele Deutsche aus Russland (z.B. Wolhyniendeutsche u.a.), außerdem wurden während des Krieges weitere ca. 350.000 Deutsche aus den besetzten Gebieten "heim ins Reich" umgesiedelt, der Großteil von Ihnen wurde dann Ende 1945 nach Sibirien und in den Hohen Norden der UdSSR zur Zwangsarbeit verschleppt ("repatriiert"). Viele der älteren Deutschen aus Russland erhielten kürzlich vom deutschen Staat die offizielle Anerkennung "ihres erlittenen Zwangsarbeiterschicksals", und zwar zusammen mit einem "einmaligen Anerkennungsbetrag von 2.500 EUR" (und dies für die manchmal bis zu 20 Jahre Zwangsarbeit in den GULag-KZ's), mit großem Dank, denn die Deutschen aus Russland sind eine bescheidene und dankbare Volksgruppe.

- usw. usf...

An dieser Stelle gebe ich auf, denn es gibt in diesem Artikel leider viel zu viele - vielleicht sogar bewußte - Verdrehungen der jedem "Russlanddeutschen" bekannten Tatsachen, aber allein schon die praktisch durchgehend negative Konnotation des Artikels von Nikolaj Klimenjuk macht ihn zur plumpen Propaganda, obwohl der Autor es eigentlich besser wissen müsste!

Mit landsmannschaftlichen Grüßen

Dr. Arthur Bechert

http://hd.welt.de/politik-edition/article168510691/Eine-Minderheit-die-keine-sein-will.html

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