Wie die sowjetischen Artilleristen das Haus von Puschkin im Juli 1944 zerstörten

Veröffentlicht: Freitag, 15. Dezember 2017 Drucken E-Mail

Heute sind alle ausländischen und russischen Touristen, die in das staatliche Museum A. S. Puschkin „Michailowskoye“ eintreten, wirklich fasziniert von der sie umgebenden Schönheit. Besuchern wird von Reiseführern über die Geschichte des Erbhofs des Dichters erzählt (gebaut im Jahr 1871), von seiner Umwandlung im Jahr 1911 in das Staatliche Puschkin-Museum, dann, wie das Museum von den Bauern in der Ära des revolutionären „Wandels“ im Jahr 1918 geplündert und verbrannt wurde, schließlich im Jahr 1937 als sowjetisches Staats-Museum restauriert und im Jahr 1944 vollständig zerstört wurde. Später wurde das Puschkin-Haus in 1949 auf den alten Fundamenten wieder aufgebaut. Neugierige Touristen werden sicherlich fragen,: „Wer ist schuldig an der Zerstörung in der Zeit des Krieges?“ und werden bestimmt eine definitive Antwort erhalten: “deutsch-faschistische Okkupanten " Aber andere stellen sich die Frage: "Was ist denn passiert? Wie ist das möglich geworden? Warum sollten deutsche Soldaten solch ein Verbrechen begehen?

Nur eine sorgfältige Analyse der erhaltenen Dokumente kann über die geheimnisvolle und die entscheidende Bedeutung der Zerstörung von Puschkins- Haus am 2. Juni 1944 zu interessanten Schlüssen führen.

5. Juli 1941: Der stellvertretende Direktor des Puschkin-Denkmal-Schutzgebiets, N.Aksenov erließ einen Befehl zur Evakuierung wertvoller Museumsausstellungen.

Er ernennt einen neuen Mitarbeiter als Verantwortlichen für diese Aktion, einen jungen Studenten, A. Oronda. Der verantwortliche Angestellte, dem die "Evakuierung" durchzuführen unmöglich war (die Züge gingen nicht mehr), befahl einfach, die Wertsachen des Museums in Kisten zu verpacken und sie im Boden zu begraben, und dann floh er nach Leningrad.

 

Im August 1941 organisierte der militärische Befehlshaber Wehrmacht Major Sandler die Wiederherstellung des Puschkin-Museums. Im Denkmalschutzgebiet wurde alles in Ordnung gebracht, Museums Exponate ausgegraben und Puschkins Möbel zusammengebaut (Hannibal-Stühle, ein Klavier aus Trigorskoe, viele Gemälde, etc.). Als der ehemalige „Leiter des Waldes und der Parks,“ K. Afanasiev zum Museumsdirektor ernannt wurde, bekam das gesamte Personal ein Gehalt von 350 Rubel, so waren die Bedingungen für weitere Ausstellungsaktivitäten erschaffen (Eintritt war 1 Rubel, für alle Besucher gleich, für die Deutschen genauso wie für einheimische Personen).

Seit 1942 wurden im Haus Puschkins regelmäßig literarisch-musikalische Abende von J. Prosyanik moderiert. Baron B. von Wrangel las Sonette von I.Severyanin, P. Danzas, (ein Nachkomme von Puschkins Lyceumskameraden K. Danzas ), Offizier der Wehrmachts Propaganda Kompanie, las Gedichte über Puschkin von N. Turoverov und ein anderer Verwandter von Puschkins Lyzeums-Kamerad M. Korff, ein deutscher Offizier, Baron Korff ist auch an diesen Poesie-Abenden ein unentbehrlicher Stammgast. Im Herbst 1943, im Hinblick auf die Annäherung der Front, wurden alle Kunstwerke des Museums eingepackt, von deutschen Behörden auf Lastwagen verladen und nach Deutschland gebracht. Ende Februar 1944 wird Michailowskoye eine der Stärken der deutschen Verteidigungs-Punkte der Armeen „Nord“ und „Panther“ - Linie.

Hier hat das 218-er Bataillon (Kommandant - Major Nuckelt) von der 218. Infanterie - Division der Wehrmacht (Kommandant - Generalleutnant Lange) die 5,3 km lange Verteidigungsposition gehalten. Nach der Ankunft der deutschen Infanterien Michailowskoye, war in der «FELDZEITUNG» der 16. Armee der Heeresgruppe „Nord“ am 8. April 1944 ein Artikel mit Illustrationen des renommierten Grafikers W. Busch unter dem Titel „Impressionen eines deutschen Soldaten, der die Michailowskoye, das Anwesen und die Heimat des berühmten russischen Dichters Alexander Puschkin besuchte "veröffentlicht.

Lassen Sie uns Auszüge aus diesem Artikel zitieren, die in der letzten Zeit der deutschen Okkupation Michailowskoyes zu einer kleinen Dokumentation von Puschkins Haus wurden: "Wenige Kilometer entfernt liegt die Sommerresidenz von Puschkin. Wo ein Filmplakat das viele Male vergrößerte Gesicht von Puschkin darstellt, einen denkwürdigen Platz mit allen sowjetischen Schwerfälligkeiten kennzeichnend, verlassen wir das Auto und gehen durch den hohen alten Wald. Nach ein paar hundert Metern leuchten zwischen den dunklen Stämmen die vom goldenen Licht der Sonne beschienenen Holzhäuser ...

…Wir gehen ins Haus. Die Sowjets ermöglichen uns, den Deutschen, die Sicherung von Gegenständen zu gewährleisten, die mit der Erinnerung an ihren größten Schriftsteller verbunden waren. Auf dem Boden liegt Heu. In den leeren Räumen herrscht feuchte, muf ige Luft. Und doch erwies sich der Geist desjenigen, der hier lebte, als stärker als die greifbare Realität des Krieges, der immer noch aus dem Fenster blickt. Die klare Anordnung der Räume, hohe Decken, atmen durch die Zeit den Weg eines Mannes, der, wie es nur den großen Menschen eigentümlich ist, mit der universellen Liebe die Welt mit ihren Leiden und Freuden vereint, ihr Harmonie und Ordnung verleiht ... …Wir müssen gehen. Die Sonne, verblassend, geht unter. Wieder gehen wir in das Haus, wie die letzten Gäste des Dichters, wollen Abschied nehmen, betrachten das Zimmer ... …Nach einem glänzenden, aber kurzen Leben, edel bis zum letzten Augenblick, fiel der Dichter in einem Duell. Es ist unmöglich, seinen frühen Tod nicht als eine Tragödie wahrzunehmen, aber es ist noch bitterer zu wissen, dass der Ort, dessen Name für Puschkin zu den glücklichsten Stunden zählte und zu vielen seiner Werke Inspiration gab, der Gnade einer rücksichtslosen Entwicklung der Ereignisse überlassen wurde. "

Aber zwei Monate später, am 9. Juni 1944 veröffentlichte die gleiche «FELDZEITUNG» einen Artikel über das Haus von Puschkin: „Ab Mitte März 1944 lag das berühmte Gutshaus des großen russischen Dichters Puschkin Michailowskoye, südöstlich der Insel im Kampfgebiet ... Das Grab wurde von Deutschen beplankt und mit Sandsäcken ausgekleidet, damit es nicht durch Splitter von Geschossen beschädigt werden konnte. Alle Vorkehrungen wurden auch auf Puschkins Hausmuseum angewendet. Obwohl das Haus schon von weitem sichtbar war und daher ein gutes Ziel für die sowjetische Artillerie sein konnte, haben deutsche Befehlshaber das Haus bewahrt. Am 2. Juni donnerten plötzlich sowjetische Artillerie und Panzerabwehrkanonen. Das Feuer wurde gezielt auf Michailowskoye geführt. Das kleine alte Gebäude hielt dem Feuer der Bolschewiken nicht lange stand. Nach wenigen Minuten ist von dem Haus nur ein Haufen verkohlter Trümmer übrig geblieben. "

Wenn die Deutschen ofen und ehrlich als Täter der barbarischen Zerstörung des Hauses von Puschkin die Artillerie der Roten Armee genannt haben, wer genau hat den Beschuss auf sowjetischer Seite durchgeführt?

Am 21. Mai 1944 wurde die nach allen Regelnbefestigte Position vor dem Michailowskoje, auf die Entscheidung des Befehls der 10. Garde-Armee (Kommandeur: Generalleutnant M. Kazakov) an die 29. Gardeschützendivision der Roten Elninskaya übergeben (Kommandeur:Generalmajor A. Stuchenko).

Artillerieunterstützung kam von dem 62. Garde-Artillerie-Regiment (Kommandant: Oberst Skrjabin) und dem 3. Artilleriebataillon (Kommandant: Hauptmann M. Chebaturkin) dem 63. Garde-Artillerie-Regiment (Kommandant - Oberst N. Gumenny Wache)und der 30. Rote Garde-Schützendivision (Kommandant - Generalmajor M. Isayev). Bewaffnet waren sie mit der 76mm Artillerie - Divisionskanone ZIS-3, erprobt im Jahr 1942, einer mächtigen Waffe, mit deren Feuer man den Feind und seine Feuerkraft zerstören konnte.

Am 2. Juni wurde vom 62. Garde-Artillerie-Regiment auf die deutsche Infanterie in Michailowskoye geschossen, und nach einiger Zeit haben die Deutschen mit Artilleriefeuer geantwortet: „Um 3.00 hat der Gegner einen Feuer-Angrif mit 105mm Artillerie der Batterie im Bereich des 9. durchgeführt. Als Ergebnis hatte das Regiment folgende Verluste: getötete Feldwebel - 1 Person, verletzte Feldwebel - 4 Personen ... „An diesem Tager öffnete das 3. Bataillon des 63. Artillerie-Regiments“ das Feuer auf den Feind, verbrauchte 210 76-mm Geschosse , 35 122-mm Geschosse, zerstörte 2 Maschinengewehre, 1 Zapfwellengewehr PTO, zehn Unterstände, sechs Autos, 11 Wagen, und tötete bis zu 50 feindliche Soldaten. 3 Geschosse vom Artillerie Feuer der 3. Division haben direkt das Haus von A.S. Puschkin getrofen welches bis zum Boden verbrannte.

Es gibt auch ein anderes Dokument von dieser Straftat in Form von Kampf Berichten des Chefs des Stabes des 87. Infanterie-Regiments Frunse von Major G. Buschmakin „Am 02.06. um 15.15 Uhr Artilleriefeuer. Durch die 3. Division des 63. Garde-Artillerie Regiments wurde das Puschkin-Haus in Brand gesetzt, das vollständig niederbrannte. Es wurde bemerkt, wie der Feind verwundete feindliche Soldaten aus diesem Haus herausgeholt hat... ".

Es bleibt nur noch zu klären, dass die 3 Artillerie Schüsse auf das Haus von Puschkin aus Kanonen des zweiten Feuerzuges gemacht wurden (Kommandant – Leutnant Novikova) 7. Batterie (Kommandant - Leutnant S. Hilinichenko). Es ist Tatsache, dass der zuvor im Bericht des Kampfes erwähnte Feldwebel- ein Kanonier der 9. Batterie des 62. Artillerie-Regiments, H. Ullman, einer der drei Getöteten war und Leutnant Nowikowa nach einer Verletzung im Oktober 1943 ins Krankenhaus kam und danach in das 63. Artillerieregiment versetzt worden ist.So haben die Freunde und Kollegen von Sergeant Ullman aus dem 63. Artillerieregiment mit ihren drei Schüssen auf die Deutschen in Puschkins Haus seinen Tod gerächt.

Daten, dass der sowjetische Befehl die Täter der Zerstörung von Puschkins Haus suchte, sind nicht bekannt, aber die Tatsache, dass die "Schöpfer" dieses Feuers - Artilleristen der 3. Abteilung des 63. Artillerie Regiments waren und diese ganz schnell in der gleichen Nacht am 2. Juni, eilig aus der Nähe von Michailowskoye zum neuen Dienstort abgereist sind, steht fest.

Ein Monat später, irgendwo in den Tiefen der obersten politischen Abteilung der Roten Armee, wurde eine ganz neue Geschichte des Puschkin-Hauses geschrieben. Am ersten Tag der Besatzung der Michailowskoye durch sowjetische Truppen am 12. Juli 1944 kam eine Gruppe politischer Arbeiter und militärischer Reporter der 3. Baltischen Front: ein Offizier der 7. Propaganda-Abteilung der „Destabilisierung des Feindes“, Major P. Loga, Chefredakteur von 54 Armee „In entscheidende Schlacht“ und Oberst Polovinkin, der Exekutivsekretär dieser Zeitung, Major B. Yudin, und der Korrespondent Hauptmann A. Petrov.

Diese Offiziere haben ganz schnell den„Akt der Befreiung“ von Michailowskoye ausgedacht.In dem Text wurden die Deutschen als Täter der Zerstörung des Freilichtmuseums erklärt: „Im Dorf Michailowskoye explodierte und verbrannte das Haus-Museum. Auf den Ruinen wurden außer den verbrannten Steinen und Eisen, keine anderen Dinge gefunden. Ofensichtlich wurdenvor der Zerstörung wertvolle Gegenständen und Exponate gestohlen und weggebracht ... In ihrem barbarischen Wunsch, das russische Volk zu versklaven und alles zu zerstören, das mit seiner historischen Vergangenheit verbunden ist, seine Kultur, zerstörten die deutschen Vandalen das größte Denkmal, Heiligtum und Stolz des russischen Volkes - das Dorf Michailowskoye und Puschkin Berge ... Verantwortlich für all diese Verbrechen ist der Kommandeur der 218. Infanteriedivision, Generalleutnant Lang. " Dann wurde noch ein anderes „Dokument“ geschrieben „Urkunde über den Zustand der historischen Stätten, die mit dem Leben und Werk von Puschkin (Puschkin-Park) verbunden sind, und die Befreiung von den Deutschen - faschistischen Eindringlingen“

An der Abfassung dieses Aktes haben bekannte Teilnehmer des jüdisch-bolschewistischen Regimes teilgenommen, wie die sowjetischen Professoren und Puschkin-Spezialisten D. Blagoj und N. Gudzy, Oberst PURKKA, Major G. Krasovsky, ein Vertreter der politischen Verwaltung der 3. Baltischen Front, Major N. Koposhilov, Mitarbeiter der Zeitung der 3. Baltischen Front „Für die Heimat“ A. Chakovsky, Sekretär Pushkinogorski des Bezirkskomitees der KPdSU Kimanow und Direktor Kalinin des Regionalmuseums N. Uspenskij. Dann kamen in Michailowskoje die berühmten sowjetischen Schriftsteller Konstantin Fedin, L. Leonov und N. Tikhonov, die mit ihrem literarischen Talent eine angemessen Beschreibung der Zerstörung und Grausamkeit nach und nach in eine Anklage verwandelten: „Die außerordentliche Staatliche Kommission stellt fest, dass für alle Verbrechen, begangen von den deutsch-faschistischen Eindringlingen im Puschkin-Reservat, die deutsche Regierung und ihre militärischen Befehlshaber verantwortlich sind, sowie die direkten Vollstrecker: Kommandant Trayhbolts, Major Sanger, Hauptmann Singer, Oberfeldwebel Fossfinkel, die Ingenieure Joseph Hamel und Schiller. Sie alle sollten eine strenge Strafe für ihre schändlichen Verbrechen erhalten."

Nur haben die Autoren dieses Aktes nicht berücksichtigt dass alle Verwaltungs Personen der deutschen Besatzung, die in diesem Dokument aufgeführten wurden, Mikhailovskoye noch im Jahr 1943 verlassen haben, und im Jahr 1944 das Museums-Reservat zur Front-Linie gehörte, in dem die ganze Macht dem Militär gehörte. Aber dieses Mal war in dem Befehl der 218. Infanteridivision der Wehrmacht der persönliche Name von Generalleutnant Lang nicht erwähnt.

Die politische Wendigkeit der Bolschewiken hat ihre schmutzige Arbeit weiter fortgesetzt und am 21. Februar 1946 legte der stellvertretende Generalstaatsanwalt der UdSSR, Michail Raginsky dem internationales Tribunal in Nürnberg als Beweis der Schuld unter der Nummer „der UdSSR - 40“ den„Bericht der außerordentlichen staatlichen Kommission vom 29. August 1944“ vor über „die Zerstörung und Grausamkeiten, die deutsche faschistische Barbaren am Pushkin-Reservat der Akademie der Wissenschaften der UdSSR begangen haben". Und sich an die drei Artillerieschüsse von Leutnant A. Nowikowa zu erinnern, die am 2. Juni 1944 auf das Puschkin -Haus ausgeführt wurden, war für eine lange Zeit unanständig, und sogar gefährlich.

https://de.wikipedia.org/wiki/Dienstgrade_der_sowjetischen_Streitkräfte_1940–1943

Übersetzung – L.Walz

Quelle: https://aryanssblog.wordpress.com

Für die auf schutz-brett veröffentlichten Inhalte sind die Autoren selbst verantwortlich.