Heimat ist ein Paradies

Veröffentlicht: Mittwoch, 06. September 2017 Drucken E-Mail

Hoffnung auf wirklich deutsche Geschichten Die Hoffnung auf erzählende Literatur mag schon aufgegeben sein, legt der Schriftsteller Viktor Streck mit „Heimat ist ein Paradies“ ein wahrhaftes Meisterwerk vor und gibt damit der Hoffnung auf wirklich deutsche Geschichten neue Nahrung.

Der rußlanddeutsche Autor Streck, geboren 1963 in der UdSSR und im sibirischen Omsk aufgewachsen, beschreibt in diesem außergewöhnlichen Roman das Schicksal des jungen Frank Uffelmann, der fern der Heimat seiner Vorfahren im Bewußtsein als Deutscher aufgewachsen ist und sich schon als Jugendlicher intensiv mit den deutschen Klassikern beschäftigt hat.

Besonders angetan ist er dabei von Meister Kant, dessen Werke er fast vollständig gelesen hat. Vor allem dessen Ethik, die er für sich selbst für verbindlich hält fasziniert ihn. „Sapere aude“ forderte der deutsche Philosoph: Wage es zu wissen… dich deines eigenen Verstan des zu bedienen! Wie schwer es aber in Wirklichkeit war, die schlicht klingenden Gebote des Großmeisters zu befolgen! Wie oft hat er mit ihm im Geiste gesprochen! Sogar gestritten! Der Alte behauptete vehement, daß Lügen stets unmoralisches Verhalten sei und wollte keine Ausnahmen zulassen.

Nicht vor dem Freund, der im Sterben liegt, nicht vor dem Feind, der dein Verderben bereitet. Reinste Wahrheit und nichts außer Wahrheit! Hat jemand es je versucht, je gewagt, so zu leben? Nur einen einzigen Tag?! Kants kategorischer Imperativ ist für den Protagonisten genauso Auftrag wie dessen Definition der Aufklärung. Als wichtigsten Grundsatz jedoch sieht der junge Deutsche die Pflicht zur Wahrhaftigkeit. Nicht einfach gestaltet sich die Begegnung mit seiner Heimat.

Bereits in den ersten Tagen bringt er das Leben im städtischen Kant Gymnasium durcheinander und gerät in einen erbitterten Konflikt mit der bundesdeutschen Wirklichkeit. Eins nach dem anderen greift er mit verblüffender Selbstverständlichkeit Tabus an, die in der deutschen Nachkriegszeit in den Rang der absoluten Heiligkeit erhoben wurden. Sei es der Zweite Weltkrieg oder unser gestörtes Verhältnis zu Begriffen wie Volk und Heimat. Zwei Welten prallen aufeinander. Das selbsternannte Komitee gegen rechte Gewalt ruft alle Anständigen zum heiligen Kampf gegen den wehrlosen Jungen, der sich eigentlich nichts anderes vorgenommen hat, als stets seine ehrliche Meinung zu sagen. Ohne Ausnahmen und Berücksichtigung der möglichen Folgen eines solchen Verhaltens.

 

Wie viel von dieser, seiner Wahrheit verträgt unser Land? Wie in einem Zauberspiegel offenbart sich vor diesem Hintergrund die Verlogenheit einer Gesellschaft, die sich selbst unermüdlich als demokratisch bezeichnet. Oft scheint es, daß es den selbsternannten Gutmenschen tatsächlich gelingt, den Jungen an die Wand zu drücken, ihn zu brechen. Doch die unwiderstehliche Anziehungskraft eines ehrlichen, anständig handelnden Menschen bewirkt in seiner unmittelbaren Umgebung wahre Wunder und läßt Raum für helle Hoffnung… Ein beeindruckendes, aber auch nachdenklich machendes Werk, das vor allem in die Hände der deutschen Jugend gehört, damit sie wieder den ewiggültigen Werten und Tugenden nacheifert, die einst unsere Nation groß gemacht haben! Kein einfaches Buch. Ein Buch, das keinen gleichgültig läßt. Eigentlich ein Juwel in unserer verlogenen Zeit. Empfehlenswert für Jung und Alt.

M. Pfeiffer