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Ist solch eine Ueberschrift berechtigt? Sind denn die Weihnachten nicht überall gleich? O, neinl Unsere Vorfahren brachten wohl die Weihnachtssitten und -Bräuche aus der Urheimat mit. Aber schon da waren ja Unterschiede, je nachdem aus welcher Gegend sie kamen. Dann ging in Deutschland die Entwicklung, die Verstädterung rasch weiter. Unsere Kolonien aber hielten in ihrer Abgeschlossenheit an den alten Bräuchen fest.

Die neue, so ganz anders geartete Landschaft und Umgebung schuf neue, bodenständige Formen. Schon der Umstand, daß es bei uns keine Nadelwälder gab bewirkte bei den Kindern eine andere innere Einstellung zum „Christbaum”. Für das deutsche Kind, das tagtäglich den „Tannenbaum” im Wald sieht, hat der „Christbaum” nicht jene zauberhafte Wirkung, wie auf unsere Kinder, die noch nie einen Tannenbaum im Walde haben wachsen sehen. Für sie kam er nur einmal im Jahr von irgendwo her. Er war deshalb von einem heiligen Glanz umgeben, er stand in höherem Ansehen.

 Schon allein das Abholen des „Großen Baumes” aus der Stadt (= Odessa) für die Kirche war für uns Kinder ein Ereignis. Ein zweites gehörte zur Weihnachtsstimmung: der Schnee. Ohne Schnee konnte keine vollkommene Weihnachtsstimmung aufkommen. Wenn dann noch um die Weihnachtszeit der Schneesturm über die baumlose Steppe tobte, war das Maß der inneren Spannung voll. In den Abendstunden saßen wir dann in den mit Petroleumlampen beleuchteten Häusern und unterhielten uns über die bevorstehenden Weihnachten und sprachen auch darüber, daß ja morgen der Schullehrer in d’Stadt muss, um den Baum für die Kirche und die Süßigkeiten zu holen. Draußen aber pfiff der Wind, rüttelte an den Fensterläden, schlug den Schnee an die Scheiben. Wenn es zu toll wurde, zuckten wir angstvoll zusammen. In solch einer Nacht fanden viele die unterwegs waren, den Weg nicht. Da gingen dann die jungen Burschen und Männer auf den Kirchturm und läuteten Sturm, stundenlang, manchmal die ganze Nacht. Besonders besorgt waren wir, wenn an diesem Tag gerade der Schullehrer auf dem Weg war. Am Morgen fuhr er mit dem Schlitten weg. Wir Buben standen auf dem Schulhof um den Schlitten. Noch heute sehe ich ihn ganz deutlich vor mir, den kleinen Kuesterlehrer M. mit seinem weißen Bart und den immer liebevoll funkelnden Augen. Allerdings diesmal waren sie versteckt, denn er hatte sich in einen großen Pelz bis über den Kopf eingehüllt. Das war auch notwendig. Denn der Frost ist bei peitschendem Wind viel empfindlicher als bei Windstille. Heute an diesem Tag zogen wir besonders kräftig an der Sturmglocke.

Gegen Abend waren wir wieder auf dem Schulhof versammelt. Beim Schneeballspiel vertrieben wir uns die Zeit. Aber bei jedem Geräusch gingen unsere Blicke zum Schulhoftor. Endlich fuhr unser Schullehrer mit einem großen Baum den Schulhof herein. Hinten auf dem Schlitten waren die Säcke mit den Süßigkeiten, Nueßen, Aepfeln, Feigen ....

Am nächsten Tag gab ein jeder Schüler ein Säckchen, mit seinem Namen gekennzeichnet, in der Schule ab. In der Kirche schmückten die größeren Schüler unter Aufsicht des Lehrers und der Kirchenväter den Baum. Zum Schluss wurde eine lange, weiße Zündschnur an alle Kerzen befestigt. Das war dann am Heiligen Abend immer ein spannender Augenblick, wenn der Kirchenvater das Ende dieser Schnur anzündete und dann in kurzer Zeit der Baum hell erleuchtet dastand.

Dann kam der Heilige Abend. Das war wohl der schönste und festlichste Abend des Jahres. Es gab damals noch keine Straßenbeleuchtung. Bald legte sich die Dunkelheit auf das feierlich gestimmte Dorf. Die Glocken hatten an diesem Abend — so schien es uns — einen ganz anderen Klang. Alles, aber auch alles strömte in die Kirche. Nur die ganz alten Leute und kleinen Kinder blieben noch im Hause. Langsam füllte sich die Kirche bis auf den letzten Platz. Man musste Stühle und Bänke aus den benachbarten Häusern holen. Der Kuesterlehrer zog an diesem Abend alle Register der Walkerorgel. Der Posaunenchor spielte und der Kirchenchor sang. Dann wurde das Weihnachtsevangelium vom Kuesterlehrer verlesen. Es herrschte feierliche Stille. Vor dem Baum drängten sich die Kinder und warteten ungeduldig auf den Zeitpunkt, wo sie ihr Weihnachtsstück spielen und ihre Sprüche aufsagen durften ....

Nur langsam entleerte sich nach der Feier die überfüllte Kirche, denn draußen Kvar inzwischen vollkommene Dunkelheit eingebrochen.

Nun kam die mit so viel Spannung erwartete Bescherungsstunde. Wir gingen immer zu unserem Onkel, wo wir gemeinsam diese Stunde erlebten. 10 Kinder waren es, die Großen, die schon zu den „Alten” zählten, nicht mitgerechnet. Das war ein Krabbeln und Suchen bis jeder sein Paket unter dem Baum fand! Nach gemeinsam gesungenen Liedern zog sich die Kinderschar in das Nebengebäude, wo ein großes Zimmer vorbereitet war. Hier konnten wir unter Aufsicht eines erwachsenen Familienmitglieds unsere Geschenke gegenseitig ansehen, anhören und ausprobieren. Das wäre denn doch eine Zumutung gewesen, wenn Eltern und Großeltern diesen Lärm hätten mitanhören müssen. Rechtzeitig wurde aber das Spiel abgebrochen, damit man zur Ruhe kam, denn am nächsten Tag gab es ja noch einen Nachklang. Alle Schulkinder gingen in die Schule, wo die Sachen verteilt wurden, die der Schullehrer aus der Stadt brachte. Jeder ' fand sein Säckchen schon voll vor, oder er musste mit dem leeren Säckchen von Korb zu Korb gehen, wo dann die Kirchenväter jedem Einzelnen gleich viel von jeder Sorte in das Säckchen legten.

Damit waren die allgemeinen Feierlichkeiten abgeschlossen und der Rest spielte sich in den Familien oder bei gegenseitigen Verwandtschaftsbesuchen ab.

A.K. Stumpp.

Schneesturm

Nacht und schaurig ist es draußen, Wirbelwinde fegen Schnee,

Und des Sturmwinds wildes Brausen Weckt in mir ein banges Weh;

Ob nicht in der Steppe irret Mancher ohne Weg und Steg;

Daß er ja doch nicht erfriere,

Zeig ihm, Gott, den rechten Weg.

Führ ihn wieder zu den Seinen,

Die erwartend nach ihm späh’n;

Gott, erhöre du ihr Weinen,

Hilf zu einem Wiedersehn! —

Horch! Die treuen Glocken läuten,

Rufen in . die Nacht hinaus Um die Irrenden zu leiten,

Leiten in ein sichres Haus.

Ferd. Wagner

Heimatbuch 1954