Wem nützen heutzutage die Mythen aus der Zeit Ilja Ehrenburgs?

Veröffentlicht: Dienstag, 19. Dezember 2017 Drucken E-Mail

Irgendwann war in der Sowjetunion eine Redensart Mode: Wir haben Kafka wahr gemacht. Das war die bolschewistische Losung „Wir machen Märchen wahr“ anders ausgedrückt. Heutzutage widmen sich die überlebt habenden Kommunisten (jene, die nicht von den Kommunisten selbst umgebracht wurden, denn die am effektivsten arbeitenden Bolschewistenvernichter in voller Übereinstimmung mit der Kafkaschen Logik waren die Bolschewisten selbst) mit ganzer Kraft ihrer Lieblingsbeschäftigung – Haß zu säen. Und das Liblingskind des Kommunistenhasses sind die Deutschen.

Das Know-How der heutigen Kommunisten besteht darin, sich mit dem russischen Patriotismus zu tarnen. Übrigens ist das nicht so ganz neues „know“, hatte doch schon Ende der 30er Jahre Joseph Dshugashwili das gleiche getan, indem er die internationale Rhetorik etwas zur Seite schob und der sowjetische Propagandasuppe einige russische Pfefferkörnern hinzufügte. Die heutigen machen das genauso.

Werden wir nun konkret.

Auf der Seite "Neuigkeiten-Front“ wurde ein Artikel eines gewissen Igor Meiden von den „Lettischen Nachrichten“ veröffentlicht, der sich extrem provokatorisch so nennt: „In Deutschland werden Russen verstärkt verfolgt“.

Der Verfasser übernimmt die Worte eines gewissen Harry Murray (oder so ähnlich; d.Ü.), den angeblich die Behörden der BRD verfolgen. Das ist gelogen. Die Einzigen, die in der heutigen Bundesrepublik politisch verfolgt werden, sind die Revisionisten.

Große und nicht gut gemeinte Aufmerksamkeit richtete der Verfasser des Artikels auf die AfD, die er geradezu mit Kübeln voller unglaublicher Lügen überschüttete.

An wen richten sich diese Fantasien? An diejenigen, die noch nie in Deutschland gewesen sind und keine Gelegenheit hatten, mit jenen zu sprechen, die da waren, ist ganz offensichtlich.

Innerhalb dieser trüben verlogenen Zeilen wird dem Thema der „russischen Veteranen“, die in der BRD leben, besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

 

Zitat:

„Die in Deutschland lebenden Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges müssen den Beamten die „Veteranenzulage“ zu der Rente, die sie aus Rußland überwiesen bekommen, abgeben.(…) Nach über 70 Jahren seit dem Beginn des Krieges zwischen Deutschland und der UdSSR unterliegen viele Veteranen, die das Schicksal in das Land des früheren Gegners verschlagen hat, einer offenen Diskriminierung seitens der örtlichen Beamten.“

Der Sinn besteht darin, daß Deutschland, die heutige BRD, von den gegen (GEGEN!!!) dieses gekämpft habenden Veteranen einen Teil der nicht deklarierten Renten aus Rußland einziehen will. Das Gesetz zur Angabe sonstiger Einkünfte bezieht sich aber auf alle Bewohner der BRD. Infolge bezeichnet der Verfasser des Artikels die BRD einen nazistischen Staat (genauer als Staat,wo angeblich der Nazismus immer stärker wird), bezugnehmend darauf, daß er die sowjetischen Veteranen nicht mit zusätzlichen Einnahmen beschenkt. Nun, ist das nicht fleischgewordener Kafka?

Dabei wird die Frage, was die sowjetischen Veteranen in Deutschland machen, warum sie hergekommen sind, um in der Heimat des Nazismus zu leben, delikaterweise nicht berührt.

Auf einer anderen russischen Seite (newsbalt) erschien ein Artikel, der ebenfalls den Schrecken des wiederauferstehenden Nazismus in der BRD beschreibt. Diesmal empörte sich der anonyme Journalist über den deutschen Verein „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“: Wieso ehren diese ihre gefallenen Soldaten?

Zitat: „Jene, die im Volksbund bei den Nazis arbeiteten,blieben in ihrer Mehrheit auch nach dem 2.WK dabei… So Otto Markgraf, der früher unter Hitler „Führer der nationalen Behörde (?)“ war, blieb ihr Generalsekretär bis 1960. (…) In der DDR war diese Organisation verboten. Demgegenüber erfreute sich der Volksbund in der BRD großer Beliebtheit. So zählte er 1960ca. 600.000 Einzelmitglieder und 60.000 institutionelle Mitglieder.… In Rußland werden heutzutage durch die Bemühungen des Volksbundes überall monumentale Friedhöfe für die Soldaten der Hitlerarmee errichtet. In dem gewaltigen Wolgograder Memorial sind die Gräber der bei Stalingrad gefallenen sowjetischen Krieger und die Gräber der Soldaten Hitlers in einem gemeinsamen Komplex vereint. So sind auch die von dem Volksbund geschaffenen Friedhöfe an einer Reihe anderer Stellen gebaut, so daß die sowjetischen Veteranen gezwungen sind, an den Nazi-Kreuzen vorbeizugehen, wenn sie die Gräber ihrer gefallenen Genossen besuchen wollen.Die Proteste von Veteranenorganisationen werden dabei ignoriert

Die Veteranenorganisationen haben aber nichts dagegen, daß sowjetische Veteranen in Deutschland leben. Diesbezüglich sind keine Empörungen zu hören.

„...Die sowjetischen Veteranen sind gezwungen an den Nazi-Kreuzen vorbeizugehen, wenn sie die Gräber ihrer gefallenen Genossen besuchen wollen“ - empört sich der Patriot. Dieser Satz erfordert eine besonders aufmerksame Betrachtung.

Als Erstes, die sowjetischen Gräber befinden sich deshalb auf solchen Friedhöfen neben den deutschen, weil oft neben den deutschen Überresten Überreste von Rotarmisten gefunden werden. So ist auch die größte europäische Grabanlage in Sologubowsk angeordnet.

„Sie fanden Frieden im Tod“ - so schrieb man einst auf die Gräber während des ersten Weltkriegs, während man direkt während der Kampfhandlungen die Soldaten der gegeneinander kämpfenden Armeen beisetzte. Die heutigen „Patrioten“ aber finden selbst nach 80 Jahren keinen Frieden mit den schon lange Verstorbenen .

Und es muß auch gefragt werden, auf welche Art und Weise der Verfasser des Artikels auf den Memorialfriedhöfen „nazistische Kreuze“ sehen konnte?

Auf absolut allen deutschen Kriegsgräbern sowohl in Deutschland als auch in der Russischen Föderation stehen einfache Kreuze. Das Kreuz ist ein christliches Symbol. Der anonyme Verfasser von der Seite „Roter Frühling“ (daher nahm newsbalt den angeführten Artikel) sieht wohl jedes Kreuz als feindlich an, nur der rote Stern ist gut und hat Existenzberechtigung.

Es darf auch die Tatsache nicht vergessen werden, daß die deutschen Gedenkstätten Arbeitsplätze für die örtliche Bevölkerung schaffen, denn ideale Sauberkeit und Ordentlichkeit dieser Gedenkstätten wird nur durch tägliche Arbeit geschaffen.

Ganz am Anfang vorliegenden Textes steht die Bezeichnung „Volksbund“ - einer Organisation, die das Ziel hat, das Nichtzuvereinigende zu vereinigen, nämlich das russische und das deutsche Gedächtnis über den Krieg.

Was kann man dazu sagen?

Ist „russisches Gedächtnis über den Krieg“ etwa identisch mit dem sowjetischen? Das ist genau der Fall, wenn mit dem Wort „russisch“ alles sowjetische verdeckt wird.

Das sowjetische Gedächtnis über den Krieg ist tatsächlich nicht mit dem deutschen zu vereinbaren, da das sowjetische Gedächtnis extrem ideologisiert und politisiert ist.

Das russisch Gedächtnis und das deutsche jedoch sind durchaus kompatibel. Eine russische Witwe kann durchaus eine deutsche Witwe verstehen, eine russische Waise eine deutsche Waise.

Der Volksbund Kriegsgräberfürsorge wird als „rechtsradikal“ bezeichnet.

Auf welcher Grundlage?

Können sich folglich nur “Rechtsradikale“ um Gräber kümmern?

Möglich, daß es vom sowjetischen Standpunkt aus so auch ist, betrachtet man die Menge der nicht beigesetzten Gebeine auf dem Territorium des Landes. Für Deutsche jedoch ist die Gedenkkultur ein nicht von der nationalen Mentalität zu trennender Bestandteil.

Der deutsche Lyriker, Schriftsteller und Publizist Herbert Böhme schrieb dazu:

(der deutsche Originaltext lag dem Übersetzer nicht vor, so daß nicht geprüft werden kann , ob es sich evtl. um eine Rückübersetzung handelt)

„Ein Volk ist immer soviel wert, wie es seine Toten ehrt,

wie es sich in seinen Kindern erlebt,

wie es Meister zu seinem Bilde erhebt.“

Noch ein Zitat aus dem Artikel über Gräber:

„ Dem Volksbund war es lange Zeit verboten, auf dem Gebiet Osteuropas, das sich im Einflußbereich der UdSSR befand, tätig zu werden. Ich setze den Leser davon in Kenntnis, daß während des Großen Vaterländischen Krieges allein auf dem Gebiet der UdSSR mehr als 2 Millionen deutsche Aggressoren umkamen.“

Das ist die gängige propagandistische Ausdrucksweise, den Menschen als „Faschisten“, „Nazisten“ oder „Aggressor“ zu bezeichnen. Damit ist er in den Augen des Lesers kein Mensch mehr, sondern Haßobjekt. Eine bewährte Ausdrucksweise während der Kriegszeit - KRIEGSZEIT! - aber wir haben keinen Krieg, die Menschen sind freundlich, seit dem Krieg sind 80 Jahre vergangen! Es ist heute jemandem sehr wichtig, daß sich Deutsche und Russen als Feinde betrachten, daß ihre alten Wunden ständig offen bleiben. Dafür wird jeder Grund und jeder Vorwand gesucht.

Nach dem Auftritt des Schülers aus Urengoi im Bundestag erhob sich erneut eine Welle antideutschen Hasses.

Noch ein Artikel und Zitat:

„Wahrscheinlich erinnern sie sich nicht an Einzelheiten der Besetzung, das ist auch nicht nötig. Ich erinnere Sie nur daran, was die Soldaten der Wehrmacht und der SS mit sowjetischen Kinder machten. Sie wurden erschossen. Oft vor den Augen der Eltern. Oder umgekehrt: zuerst wurde auf Papa und Mama geschossen, dann auf die Kinder. Eure Soldaten vergewaltigten die Kinder. Kinder wurden lebend verbrannt. Sie wurden in KZ´s verbracht, wo ihnen Blut entnommen wurde, um daraus Serum für eure Soldaten zu machen. Kinder wurden durch Hunger getötet. Kinder wurden von euren Schäferhunden zu Tode gefressen. Kinder wurden als Zielscheiben benutzt. Kinder wurden viehisch einfach zum Vergnügen gefoltert.

Oder hier zwei Beispiele. Einem Offizier der Wehrmacht störte ein Kleinkind beim Schlaf, er nahm es am Bein und zerschlug seinen Kopf an der Ofenecke. Eure Flieger bombardierten auf der Station Lytschkowo einen Zug, mit dem versucht wurde, Kinder ins Hinterland zu bringen. Dann verfolgten eure Fliegerasse die verängstigten Kleinen und erschossen sie im freien Feld. Es wurden 2000 Kinder ermordet.

Nur dafür, was ihr den Kindern angetan habt, hätte die Rote Armee Deutschland und seine Bewohner vollkommen vernichten können. Sie hätte volles moralisches Recht dazu.

Das schreibt Andrej Medwedjew auf jener Seite newsbalt.

Muß man dazu erläutern, daß in einem Absatz alle Mythen der Zeit Ilja Ehrenburgs vorkommen?

Die einzige überlieferte Tatsache ist der Beschuß des Zuges auf der Station Lytschkowo. Der Angriff auf Transportknotenpunkte und Verkehrsmittel sind Aufgaben jeder Armee in jedem Krieg.

Der Tod der Kinder ist eine schlimme Tragödie. Dabei müssen wir uns fragen: woher konnte der Flieger wissen, daß sich in den Waggons unten gerade Kinder befanden? Von nirgends.

„Wahrscheinlich erinnern sie sich nicht an Einzelheiten der Besetzung, das ist auch nicht nötig.“ - die sowjetischen (Leute, d.Ü.) brauchen verständlicherweise keine Einzelheiten, aber wir brauchen sie. Auf der Seite „schutz-brett.org“ sind jede Menge solcher Einzelheiten zu finden.

(In der Russischen Föderation freilich könnte man vor der Veröffentlichung dieser Artikel Angst haben – es könnte unter den Paragraphen „Rehabilitation des Nazismus“ fallen)

„Die Rote Armee hätte Deutschland und seine Bewohner vollkommen vernichten können. Sie hätte volles moralisches Recht dazu.“ - Diesen Satz kann man nur schwer anders deuten, als die Rechtfertigung eines Genozids.

Bedankt euch doch, daß einige von euch überlebt haben – sagen die türkischen „Patrioten“ den Nachkommen der armenischen Flüchtlinge. Das ist absolut der gleiche Kontext – der Versuch, die vorgekommenen eigenen Verbrechen zu rechtfertigen.

Man möchte nicht mit solcher düsteren Stimmung schließen. Es ist geradezu abstoßend, den endlosen verlogenen Wortschwall einzeln widerlegen zu wollen.

Als Antwort auf diese Lügen zeigen wir Dokumente, die nach ihrer Bestimmung nicht lügen können – Fotografien.

Lydia Walz,

12.12.2017

Übersetzung - Ludwig Schumm,

19.12.2017

Quelle:

http://schutz-brett.org/3/ru/stati-pisma/21-russische-beitr-ge/stati/347-komu-nuzhny-segodnya-mify-vremen-erenburga.html

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http://jakovkin.livejournal.com/144625.html

http://schutz-brett.org/3x/de/geschichte/15-deutsche-beitraege/geschichte/299-die-deutschen-soldaten-wie-waren-sie-in-wirklichkeit.html