Die russlanddeutsche Volksgruppe im interkulturellen Dialog der europäischen Gemeinschaft.

Veröffentlicht: Freitag, 25. August 2017 Drucken E-Mail

Die mehr als 4 Mio. starke russlanddeutsche Volksgruppe, die heute in der Bundesrepublik Deutschland lebt, hat sehr reiche Erfahrungen im Zusammenleben mit vielen europäischen Völkern. Sie hat in Sibirien und Kasachstan Polen, Bulgaren, Griechen, Finnen, Letten, Litauern oder Esten kennen gelernt, da viele von ihnen ebenfalls wie die Russlanddeutschen dorthin verschleppt wurden.

Besonders wichtig dabei ist, – wir haben positive Erfahrungen im Zusammenleben mit den moslemischen Völkern (Kasachen, Kirgisen, Usbeken, Turkmenen, Tschetschenen, Inguschen, Krim-Tataren u.a.) gesammelt. In der fast 300 jährigen Geschichte der russlanddeutschen Volksgruppe gab es praktisch keine Auseinandersetzungen zwischen den deutschen Kolonisten an der Wolga, im Süden der Ukraine, auf der Krim oder im Kaukasus. Positiv waren auch die Beziehungen der Deutschen mit allen anderen nichtdeutschen Nachbarn der deutschen Tochtersiedlungen in Westsibirien und Kasachstan vor dem Ersten Weltkrieg.

Diese Erfahrungen passen sehr wohl zum Thema des interkulturellen Dialogs zwischen den zahlreichen einheimischen Völkern Europas, sowie auch mehreren zugewanderten Völkern aus moslemischen Staaten der Welt (z.B. Türkei, Afghanistan, Nahen Osten oder Afrika).

Aber in der Geschichte der Russlanddeutschen gab es auch viele traurige, dramatische Seiten. Das geschah immer dann, sobald das friedliche Leben im Russischen Reich und später in der Sowjetunion durch Kriege mit Deutschland zerstört wurde. Dann wurden die Russlanddeutschen sofort als potenzielle Feinde betrachtet. Danach folgten alle möglichen bösartigen Maßnahmen gegen unsere Volksgruppe.

 

Doch es gab bereits vor dem Ersten Weltkrieg eine Zeit, in der russische Unternehmer und Patrioten auf einmal ihr Vaterland durch den Einfluss der deutschen Kolonisten bedroht sahen. Solche Sorgen entstanden deswegen, weil im Süden Russlands und zwar im Schwarzmeer-Gebiet die reich gewordenen Kolonisten riesige landwirtschaftliche Flächen kauften und dadurch für die Landwirtschaft des Russischen Reich immer wichtiger wurden.

Auch in der Wissenschaft, im Verteidigungswesen, in der Industrie und dem Handel waren die Deutschen im Russischen Reich sehr bedeutend. Dutzende mal stärker als es ihrem prozentuellen Anteil in der Bevölkerung des Reiches entsprach.

Ein solch überproportional großer Einfluss in einem Staat, egal von welchen fremden Völkern er auch erlangt wurde, hat stets innere Widerstände gegen diese Fremden hervorgerufen. Besonders deutlich kann man das auch in der Geschichte des jüdischen Volkes erkennen.

Aber man kann und soll in einem Staat nicht ewig fremd bleiben. Am besten wird man die Fremdheit durch die Assimilation der Zugewanderten los. Aber es gibt auch Beispiele anderer Art, wie erwünschte Zuwanderer von Anfang an in kompakten Siedlungen vertraglich zusammen geblieben sind. Das ging so weit, dass solche Zuwanderungsgruppen eine bestimmte Autonomie für ihr inneres Leben bekamen. Gerade dies war das Modell des Zusammenlebens der deutschen Kolonisten in Russland mit vielen anderen Völkern an der Wolga oder im Schwarzmeergebiet.

Hier lebten die Deutschen in eigener Umgebung, mit eigenen Schulen und Kirchen, sprachen ihre Muttersprache und pflegten ihre Bräuche und Sitten.

Sie ernährten sich von eigener Landwirtschaft, Kleinbetrieben und Handel mit den in ihrer Nachbarschaft lebenden Russen, Ukrainern, Tataren und vielen anderen Völkern.

Dieses Modell hat in Russland perfekt funktioniert und provozierte weder Neid noch Aggression gegen die Kolonisten. Ihrerseits mischten sich die Kolonisten nicht in das innere Leben der russischen oder ukrainischen Dörfer. Das Leben lief in den einheimischen Dörfer und den deutschen Siedlungen (Kolonien) parallel und völlig unabhängig. Beide Seiten zahlten Steuern an den Staat und stärkten das Russische Reich.

Fast 150 Jahre solchen Zusammenlebens schmiedeten die Kolonisten zu einer 2 Mio. starken  deutschen Volksgruppe in Russland zusammen. Das war ein sehr positives menschliches und markwirtschaftliches Potenzial für das Russische Reich vor seiner Zerstörung im Jahr 1917. Und das war auch die glücklichste Zeit in der Geschichte dieser Volksgruppe.

Die dramatischen Zeiten kamen mit dem bolschewistischen Umsturz in Petersburg im Oktober 1917, der in der danach entstandenen Sowjetunion als die Große Oktoberrevolution in Russland gefeiert wurde. Die Folgen dieser politischen Affäre waren für alle Völker dieses riesigen Staates sehr dramatisch. Aber am meisten haben vermutlich gerade die Nachkommen der deutschen Kolonisten gelitten. Vor allem weil sie im Durchschnitt reicher als Vertreter anderer Völker und Volksgruppen waren und deswegen viel stärker unter der Enteignungspolitik der Bolschewiken leiden mußten. Zweitens, weil die meisten Russlanddeutschen eine viel größere Treue zu der zaristischen Regierung an den Tag gelegt haben, als die Russen selbst oder z. B. die Ukrainer.

Aber besonders gefährlich entwickelte sich die Lage der Russlanddeutschen (damals mehr als Sowjetdeutsche bekannt) nach dem Einmarsch der Wehrmacht in die Sowjetunion im Jahr 1941. Von da an wurde die gesamte Russlanddeutsche Volksgruppe von Stalins Regierung zu Volksfeinden erklärt und aus ihren Siedlungsgebieten an der Wolga, in der Ukraine, in der Krim und im Kaukasus nach Sibirien und Kasachstan vertrieben. Dabei wurden viele Familien auseinandergerissen: Die Männer ab 16 bis 60 Jahren wurden in die Konzentrationslager eigesperrt, die man „Arbeitskolonnen“ nannte. Die Frauen wurden separat in ähnlichen Konzentrationslagern zusammengetrieben. Die Kinder blieben in den Verbannungsorten bei ihren Großeltern. Dabei geschah ein echter Genozid, der wenigstens ein Drittel der Russlanddeutschen in den Tod trieb.

Leider waren die Russlanddeutsche auch Dutzende Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg als potenzielle Feinde der Sowjetunion behandelt. Sie durften nicht in ihre Vorkriegsheimat zurückkehren. Keine Rede von der Rückgabe ihrer Autonomen Republik an der Wolga und Kompensation für das verlorene Eigentum. Unrehabilitiert sind sie in Russland auch bis heute geblieben, obwohl Deutschland in den letzten 25 Jahren für eine Scheinrehabilitation schon mehr als 0,5 Mrd. Euro nach Russland überwiesen hat.

Enttäuschung über die Politik Russlands gegen ihre eigenen Deutschen provozierte die Russlanddeutschen zu der massenhaften Auswanderung aus diesem Land. Deswegen sind wir heute in Deutschland.

Der Hauptgrund für die Heimkehr der Volksgruppe liegt aber nicht nur in der Unzufriedenheit mit der Politik der Regierung der ehemaligen Sowjetunion und des neuen Russlands. Viel wichtiger waren die Sorgen um das Überleben als Deutsche. Das war eine natürliche Rareaktion auf die Gewaltassimilation, die gegen diese Volksgruppe in der Sowjetunion durchgeführt und auch im neuen Russland von Jeltzin und Putin nicht beendet wurde. Um das Deutschtum zu behalten oder auch zu retten, gab es nur einen Ausweg: Heimkehr nach Deutschland!

Gott sei Dank und Dank dem Deutschen Volk in der Bundesrepublik Deutschland, das das Tor damals für alle deutschen Heimkehrer weit öffnete!

Das blieb aber leider nicht lange offen. Dazu komme ich noch etwas später.

Jetzt aber noch einmal zurück in die Kriegsjahre und Nachkriegszeiten unter den Sowjets. Wie lebten die verschleppten und als feindlich dargestellten Deutschen in Kasachstan zwischen den Kasachen oder auch in Kirgisien mit den einheimischen, moslemischen Völkern? Wie entwickelte sich das Verhältniss zwischen den Deutschen und den Russen und Ukrainern in Sibirien?

Das waren komplizierte Beziehungen. Und es gab einen wesentlichen Unterschied zwischen den genannten Volksgruppen. Die Kasachen und Kirgisen, die sich selbst im gewissen Sinn von Moskau unterdrückt fühlten, zeigten den verschleppten Deutschen gegenüber mehr Mitleid und Freundschaft. Aber trotz bestimmter Sympatie, kam es sehr selten zu Eheschließungen zwischen Deutschen und moslemischen Partnern. Dagegen sprach vor allem der große religiöse Abstand und die fremden Bräuche und Sitten.

Bei den Russen und Ukrainern, die Christen sind, verlief es anders. Da gab es weniger Unterschiede im Gottesglauben und der Kultur. Auch vom Aussehen her konnte man die Russen oder Ukrainern von den Deutschen nicht sofort unterscheiden. Deswegen kam es oft zu Eheschließungen zwischen Deutschen und Russen bzw. Ukrainern. Im Allgemeinen war das von der Assimilationspolitik aus Moskau so gewünscht. Wegen der totalen Zerstreuung unter anderen Völkern hatten die einzelnen Deutschen keine andere Wahl, als diejenigen zu heiraten, mit denen man zusammen lebte. Dieser Assimilationsprozess lief so weit, das man Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts bei den Deutschen in der Sowjetunion 60% gemischte Ehen registriert hat.

Jetzt sind die ca. 4 Mio. Russlanddeutschen mit ihren Familien in Deutschland zu Hause und möchten hier als Deutschen bleiben. Aber auf einmal und besonders seit Herbst 2015 wurde die nationale Zukunft des Deutschen Volkes von der Bundesregierung in Frage gestellt. Auf einmal öffnen sich bei uns die Augen und wir sehen, das unsere Kanzlerin eine bösartige Migrationspolitik im Alleingang durchsetzt: Nach Deutschland wurden mehrere Millionen Menschen aus moslemischen Ländern angelockt. Diese fälschlich als „Flüchtlinge“ bezeichneten Migranten wurden an den Grenzen nicht ordentlich kontrolliert und registriert, so dass sich zahlreiche potenzielle Terroristen unter ihnen nach Deutschland und ganz Europa hereinschmuggeln konnten.

Auf der anderen Seite ist es allgemein bekannt, dass die niedrigen Geburtenraten der einheimischen Völker Europas von denen der fremden Zuwanderer um ein Vielfaches übertroffen werden. Wissenschaftlich gesehen führt die von Merkel beschleunigte Zuwanderung zu einer deutlichen Umvolkung in Deutschland. Das ist nichts anderes als eine Verratspolitik gegen das eigene deutsche Volk!

Kurz nach dem „Willkommens“-Aufruf der Kanzlerin Merkel im Jahre 2015, wurde ganz Deutschland in der Silversternach in Köln von den ersten Folgen dieser Zuwanderungspolitik schockiert.

Das alles haben die Russlanddeutschen auf einmal gemerkt und zugleich die kommende große Gefahr für Deutschland verstanden. Nun bekamen wir eine überraschend bittere Antwort auf alle Hoffnungen auf eine sichere Zukunft für unseren Kinder und Enkelkinder, in einem sicheren Land in Harmonie als Deutschen unter Deutschen leben zu dürfen.

All das muss man berücksichtigen, wenn man das Verhältnis der Russlanddeutschen zu der heutigen Politik in Deutschland und europaweit verstehen will. Über welchen interkulturellen Dialog in der EU kann man heute sprechen, wenn man die Umvolkungsgefahr nicht merkt? Und wenn man diese Gefahr gemerkt hat, dann sollte ein solcher Dialog nur eine Richtung haben: Alle einheimischen Völker Europas aufzurufen, sich gegen die Migrationspolitik der Kanzlerin Merkel und der EU-Spitze zu stellen! Nur eine Politik der Rettung aller europäischen Völker vor Überfremdung und Islamisierung kann die Europäische Union konsolidieren und stärken.

Dieses Signal soll heute von unserer Veranstaltung in Berlin nach Brüssel gehen. Das halte ich für die Aufgabe dieser Veranstaltung.

Dr. Heinrich Groth,

Vorsitzender des Internationalen Konvents der Russlanddeutschen,

Ex-Vorsitzender der Allunionsgesellschaft der Deutschen der Sowjetunion „Wiedergeburt“.