Leidenfrosts Rede für Bretzenheim

Veröffentlicht: Donnerstag, 30. November 2017 Drucken E-Mail

https://www.youtube.com/watch?v=fXVqWSTrnz4

Am 23. November 2003 fuhr ich, Gerhard Ittner, mit Reinhold Leidenfrost von Manfred Roeders Haus Richberg auf dem Knüll in Hessen nach Bretzenheim an der Nahe, um dort an der Gedenkveranstaltung für die Ermordeten der Rheinwiesenlager teilzunehmen. Reinhold Leidenfrost war für diese als Redner vorgesehen gewesen. Wir kamen in eine an der Zufahrtsstraße zum Veranstaltungsort aufgestellte Polizeikontrolle. Nachdem man dort festgestellt hatte, um wen es sich bei uns beiden handelt, hielt man uns fest und ließ uns nicht weiterfahren. Mehrmals wurde Leidenfrosts Auto durchsucht. Im Kofferraum befand sich mein Laptop - und den wollte die Polizei unbedingt haben. Sie standen zusammen und berieten. Schließlich kam einer dieser daher, mit einem von mir auf ein Blatt Papier geschriebenem Gedicht in der Hand, das er beim Durchsuchen meiner Lederjacke in deren Innentasche gefunden hatte und über das sie wohl Rat gehalten hatten. Es handelte sich um das Gedicht "Vereinsamt" von Friedrich Nietzsche -"Die Krähen schrein / Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt: / Bald wird es schnein, - / Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat (...)". Der Scherge eines Schurkenregimes meinte: "Dieses Gedicht ist verfassungsfeindlich! Wir müssen Ihren Laptop beschlagnahmen." Das taten sie dann auch. Und obwohl es nie eine Anzeige gab (wie hätte die auch aussehen sollen?), habe ich meinen Rechner nie zurückbekommen.

Wir wurden so lange festgehalten, bis das von Wilhelm Herbi veranstaltete Gedenken zu Ende war, so daß Reinhold Leidenfrost seine Rede nicht halten konnte. Das war vor 14 Jahren...

 Am 5. November 2017 ist Reinhold Leidenfrost in seinem 94. Lebensjahr gestorben. Am 17. November haben wir ihn in Guthmannshausen in seiner Heimat Thüringen beerdigt. In Vorbereitung meiner Trauerrede für ihn entdeckte ich in seinen Schriften, die er mir anvertraut hatte, die Rede, die er am 23. November 2003 wie oben beschrieben in Bretzenheim nicht halten konnte. Was für eine Fügung! Kurz vor dem diesjährigen Novembergedenken am Mahnmal "Feld des Jammers" gelangt mir diese damals nicht gehaltene Rede Reinholds in die Hände! Nun konnte ich sie dort halten - für meinen lieben Freund und treuen Kameraden: auf den Tag genau drei Wochen nachdem ich mit seiner geliebten Wiebke bei ihm in Weißenstadt im Fichtelgebirge an seinem Sterbebett gestanden war, und fast auf den Tag genau 14 Jahre nachdem Reinhold Leidenfrost diese seine Rede in Bretzenheim halten wollte, aber von schäbigen Handlangern eines deutschfeindlichen Regimes der Volksverratsverbrecher daran gehindert worden war...

Reinhold Leidenfrost als junger Jagdflieger

Totengedenken für die Gefallenen der beiden Weltkriege

am Mahnmal "Feld des Jammers" in Bretzenheim am 23. November 2003

Ansprache von Dipl.-Ing. Reinhold Leidenfrost.

Liebe Kameraden, liebe Kameradinnen, werte Anwesende!

Wir sind heute zusammengekommen, um uns auch an die Deutschland aufgezwungenen Kriege zu erinnern und all den Millionen deutscher Gefallener beider Weltkriege unser ehrendes Gedenken zum Ausdruck zu bringen. Als ehemaliger deutscher Soldat des 2. Weltkrieges, Flugzeugführer in einem Jagdgeschwader und Zeitzeuge des vergangenen Jahrhunderts erinnere ich mich sehr gut an meine Kameraden von damals.

Sie waren tapfere Kämpfer für unsere deutsche Heimat!

Liebe tote Kameraden, ich trug damals die gleiche Uniform wie Ihr und ich fühle mich auch heute noch mit Euch verbunden. Wir alle hier Versammelten versprechen Euch noch nach fast 60 Jahren, daß wir nicht aufgeben werden, für unser Deutschland in Gerechtigkeit und Freiheit zu kämpfen. Die BRD ist nicht Deutschland geworden! Die BRD blieb bis heute ein Vasallenstaat der US-Amerikaner, mit all seinen Schikanen, Niederträchtigkeiten und Gemeinheiten gegen national gesinnte Deutsche. Dieses System wird eines Tages sein Ende finden!

Ich möchte bei dieser Gelegenheit auf ein Ereignis gegen Ende des Krieges hinweisen, welches den wahren Geist deutscher Zusammengehörigkeit verkörpert: Beim Angriff der Sowjets an der Oder bildeten sie einen Brückenkopf und befestigten diesen sehr stark. Bei ihrem Vormarsch zermalmten sie mit ihren Panzern rücksichtslos die Flüchtlingstrecks. Ein gnadenloses Gemetzel unter Frauen, Kindern und alten Menschen fand auf den total verstopften Straßen statt. Der Brückenkopf mußte, wenn auch nur für kurze Zeit, ausgeschaltet werden. Die Sowjets hatten jedoch starke Flugabwehr aufgestellt. Ein alleinfliegender junger Flugzeugführer hat sich mit voller Bombenlast auf den Brückenkopf gestürzt. Durch seine Selbstaufopferung hatte er, wenn auch nur für kurze Zeit, den Flüchtlingen, den Frauen, Kindern und alten Leuten aus Ostpreußen, Westpreußen und Pommern den notwendigen Zeitraum verschafft, ihre Flucht in Richtung Westen fortsetzen zu können. Er hatte sein eigenes junges Leben für andere Deutsche hingegeben!

Wir wollen heute der vielen Kriegstoten gedenken, an die Millionen im Kampf gefallener Kameraden, an die vielen wehrlosen Kameraden, welche nach dem Kriege von unseren verbrecherischen Gegnern in den Kriegsgefangenenlagern in West, Ost und Süd aus reiner Mordlust den Tod fanden. Wir gedenken auch der Million Frauen und Kinder, welche durch Brandbomben, durch abgeregnetes Phosphor und durch Sprengbomben der Terrorbomber der US-Amerikaner und Engländer in den Feuerstürmen der Städte ihren qualvollen Tod erleiden mußten. Wir gedenken auch der Millionen Toten der Flüchtlinge, welche aus ihrer ostdeutschen Heimat vertrieben wurden und auf der Flucht nach Westen den Tod fanden.

Liebe tote Kameraden, liebe Verstorbene, wir, die Lebenden, geloben Treue zu unserem Vaterland und wollen trotz allem glauben, daß die Wahrheit, die Gerechtigkeit für unser deutsches Vaterland sich durchsetzen möge. Wir versichern gleichzeitig, daß wir unseren Kampf um die Auferstehung eines freien Deutschlands fortsetzen werden.

Auch in dieser Region liegen zu Hunderttausenden unsere Kameraden; sie wurden Opfer des uns aufgezwungenen Krieges! Der Haß und die Mordlust unserer Gegner machte auch nach Kriegsende vor wehrlosen deutschen Soldaten nicht halt! Die Verantwortlichen für dieses Verbrechen durften in der sogenannten demokratischen Wertegemeinschaft nicht verfolgt werden und wurden sogar noch geehrt und ausgezeichnet!

Reinhold Leidenfrost, im November 2003

Vorgelesen von Gerhard Ittner am 25. November 2017

am Mahnmal "Feld des Jammers" in Bretzenheim