Versailles

Veröffentlicht: Freitag, 18. August 2017 Drucken E-Mail

Ernst Kleuker 

"Vater!"-"Mein Junge?"- "Sag` hast du geweint?

Weinen auch Männer? Sprich, schlug dich Feind?

Vater, nicht lachen! Sieh, grau ward dein Haar,

Und wenn du lachst, ist dein lachen nicht war!

 

Bin doch dein Junge, einst wird` ich ein Mann,

Einst kann ich zwingen, was heut ich nicht kann.

Schdein Haupt nicht so müd und gequält

Jugend will Kampf, wird durch Not gestählt."



"Junge, mein letzter, so höre mein Wort:

roh riß der Krieg mir den ältesten fort,

Warf ihn zur Erde, in rasendem Spiel,

Und ich - war stolz, weil für Stolzes er fiel.

Mutter? Ja, Mütter sind oft zu weich,

Mutter war khank, znd sie folgte ihm gleich,-

Dann - kamm der Friede, der Deutschland zerbrach -

Knabe, Versailles heißt unsre Schmach!



Hörst du Versailles, dann erröte vor Scham:

So heißt das Wort, das die Ehre uns nahm,

Hörst du Versailles, dann krampfe die Hand,

So heißt das Wort, das zerriß unser Land.

Hörst du Versailles,dann senke das Haupt,

Weil deine Väter Betrügern geglaubt.



Hörst du Versailles, dann segne den Tot:

Besser verfault, als ein Ekel verrot!

Sieh, du bist jung, mir zerquält`s das Herz:

Glaubst noch an Sonne, freust dich am Scherz-

Hörst nicht den Schrei aus geraubten Land,

Siehst nichts des Hasses rings schwelenden Brand."



"Vater, halt ein! denn mein Wort ist ein Schwur:

Deutschland vergeht nicht, es schläft doch nur,

Deutschland ist krank, und es harrt seiner Zeit,

Deutschland trägt einst wieder stolz sein Kleid,

Deutschland muß nachtdunrke Wege gehn,

Deutschland muß sterben, um aufzuerstehen.

Deutschland lebt ewig! - Versailles heißt der Ruf,

Der Deutschlands Knaben zu Männern schuf."