Wolgadeutsche Sprichwörter und Redensarten

Veröffentlicht: Mittwoch, 04. Oktober 2017 Drucken E-Mail

 Zwischen dem Anfang und dem Abschluß dieser Arbeit liegt ein weiter und steiniger Weg: vorerst durch die heimatliche Wolgasteppe, nachher durch die weg-und endlose sibirische Taiga, weiter durch die gefahrvolle und menschenleere Sandwüste Mittelasiens und dann bis hinauf zum strengen und rauhen nördlichen Polarkreis. Alles in allem eine harte Prüfung, ein holpriger, leidvoller Weg durch all diese politischen Schlaglöcher des Lebens.

Was ich hier der Aufmerksamkeit des geneigten Lesers empfehlen möchte, ist nur ein bescheidener Versuch einer geplanten größeren Arbeit. Orte, an denen gesammelt wurde, waren: Kana und Gnadentau, Friedenberg und Wiesenmüller, Straßburg und Blumenfeld, Kukkus und Warenburg, Seelmann und Stahl, nicht zuletzt auch Saratow u. a. deutsche Kolonien an der Wolga mit ähnlich wohlklingenden Namen. Alle diese schönen und wohlhabenden Dörfer gibt es heute nicht mehr. Und die Menschen, die sich hier in mühevoller und aufopfernder Arbeit eine Existenz aufgebaut hatten? - Sie alle wurden zwangsverschleppt und entrechtet.

Die erbarmungslos harten Schicksalsschläge der Verfolgung bei Nacht und Nebel, die unnachsichtige Russifizierung auf Schritt und Tritt vermochten es nicht, den Willen zur Eigenständigkeit und zur Bewahrung ihres nationalen Charakters, ihrer Kultur sowie das Gefühl der Verbundenheit mit dem Mutterland auszulöschen. Und das nicht zuletzt oder gerade weil unsere Eltern zäh an dem Volksgut, dem einzigen Schatz, den man ihnen nicht nehmen konnte, festhielten. Damit sind gemeint: Sprichwörter, Redensarten, Volkslieder, Kinderreime, Neujahrswünsche, Schwänke, „Stückeicher" u. v. a. Sie hegten und pflegten sie in Zeiten höchster Not und bekannten sich eindeutig zu ihnen. Es ist dies ein Reichtum, dessen Tragweite und Bedeutung für die Erhaltung der Muttersprache als Element der Bildung und Erziehung, der Charakterprägung nicht hoch genug zu schätzen ist. Gibt es doch keinen Abschnitt des menschlichen Lebens, keinen Tagesablauf von Arbeit und Ruhe, Kindheit und Alter, Freud und Leid, Liebe und Haß sowie andere Gegebenheiten des menschlichen Lebens, wo es nicht für jung und alt eine handfeste und prägnante Weisheit in Form eines Sprichwortes oder einer treffsicheren Redensart gäbe.

 Sprichwörter und Redensarten geißeln Faulenzer und Mißstände, sie verspotten Stolz und Geiz, sie heben lobend Erfahrung und Klugheit hervor. Arbeit, Freizeit, Spiel und Fleiß kommen zu ihrem Recht. Es gibt im Tun und Trachten des Menschen keinen Bereich, wo Sprichwörter und Redensarten nicht eindeutig in Erscheinung treten. Ethik und Moral liegen gleichfalls im Geltungsbereich der Sprichwörter und Redensarten. Diese treffen in ihrer Aussage gezielt den Kern einer Sache, sind von der Substanz her breit gefächert und bildhaft in ihrer Ausdrucksweise. Dieser Besonderheit verdanken die Sprichwörter und Redensarten ihre Verbreitung, Beliebtheit und Zählebigkeit. Daß viele Sprichwörter und Redensarten sich noch reimen, trägt mit dazu bei, ihre Einprägung und Speicherung im Gedächtnis zu erleichtern. So habe auch ich diese Sprichwörter und Redensarten im Laufe der Zeit gesammelt, wie ich sie in der Familie, im Freundeskreis oder im gesellschaftlichen Leben von anderen gehört oder gelegentlich selbst bei passender Gelegenheit auf Mitmenschen oder auch auf mich selbst angewendet habe.

Und immer wieder konnte ich mich zu meiner Genugtuung davon überzeugen, daß die Wolgadeutschen über mehr als 200 Jahre sich mittels dieses Volksgutes in der Fremde ihre Muttersprache erhalten haben.

Diese Volksweisheiten hatten es den deutschen Kolonisten besonders angetan; sie waren oft ihre einzige Zuflucht, ihr Trost und ihre Aussicht in Zeiten, wo sie nicht aus noch ein wußten. Da hat sich der urwüchsige Bauer oft mit einem kräftigen Ausdruck seine Ungeduld und die angetane Beleidigung vom Herzen „heruntergeredet", um dann erleichtert wieder an sein Tagewerk zu gehen.

Wenn ich mich heute dazu entschlossen habe, einige besonders treffende Sprüche aus dem reichen Schatz unseres Volksgutes in den Grenzen eines streng abgesteckten Beitrages festzuhalten, dann nur, weil es mir eine ureigene Herzensangelegenheit ist. Außerdem will ich hier noch einmal zeigen, wie schön und markant in Form und Bild die Umgangssprache der Rußlanddeutschen war und es bis auf den heutigen Tag geblieben ist.

Die Sprichwörter und Redensarten können nicht getrennt vom sprachlichen Volksgut betrachtet werden; sie bilden mit dem Volkslied, den Kinderreimen, den Neujahrswünschen und Sprüchen, den Schwänken und Schnurren, den Stükkelcher, Hochzeitseinladungen, dem Reimaufsagen usw. ein einheitliches Ganzes.

1.Redensarten

Aus diesem Grund möchte ich auch die Überbrückung zu den Sprichwörtern mit Redensarten einleiten. Nur einige Perlen Wolgadeutschen Volksgutes will ich hier bringen, un wann's ach Verschtageld koscht!

Vorerst mal 'ne handfeste Erziehungsregel, wie sie auf dem Lande gang und gäbe war:

Rega, Regatropfa,

die Buwa muß mr klopfa,

die Mädjer in das Federbett,

die Buwa in das stinkiche Eck.

und so war es leicht haushalten.

Zu Neujahr gab es in den Kolonien den alten, schönen und lieben Brauch - Das Neujahr „anschießen" und darauf seinen Neujahrs wünsch vorzutragen. War die Zeit knapp, hatte es der Wünscher eilig, dann machte er es eben auch mal kurz, wie etwa:

Ich wünsche aich, gebt mrsch gleich;

loßt mich net so lang' steh',

ich muß a Haische weiter geh'.

Oder:

Ich wünsche aich an rote Tisch,

hiwa un driwa 'n g'backne Fisch,

mita drin a Gläsche Wein –

däs soll aier Neujohr sein.

Und:

Ich wünsche aich a Loch ens Haus,

gebt mr moul dr Geldsack raus.

Uber Arbeitsteilung der Jugendlichen:

Fasnacht, Gräppeljacht,

die Buwa müsse Holz hacke,

die Mädjer müsse Gräppel backe.

Uber die Vorstellung von einer Schönheit war man sich auch weitgehend einig:

Du bist net schö', du bist net schö',

du host ka rote Backe meh';

rote Backe, weiße Zäh',

blaue Aache, ei was schö'.

Wenn der Bauer ganze Arbeit leisten sollte, ja dann mußte halt erst mal was für'n Magen her:

Küh' komme, Ochse bromma,

Gras en dr Grippa,

Milch en dr Dippa;

Speck un Eier en dr Pann,

gebt 'n gute Ackersmann.

Ärzte gab es des öfteren im Umkreis von 50 bis 60 Kilometer keine, da hat man „gebraucht" und das Übel mit einem kräftigen Spruch „vertrieben" :

Hahle, hahle Hinkelsdreck,

bis morje früh ist alles weg.

Oder:

's is mr ens Aach g'falle,

wär mrsch nour en А ... g'falle;

badt's nix, so schadt's nix,

hun ich mr doch g'braucht.

Die Herumlungerer und Gammler hat man im Volksmund entsprechend „abgefertigt":

Nix em Kop, nix em Kop, alles en dr Beine; die Male eßt die Zweschke gern, dr Jochan die Roseine.

Ganz lustig und oft kunterbunt ging es auf den Polterabenden zu, wo sich die fugend (vor der eigentlichen Hochzeit) bei Musik nach Herzenslust austoben konnte (gewöhnlich an den langen Winterabenden):

Die Male trinkt dr Kaffee gern,

die Male trinkt ach Tee,

die Male tanzt die Polka gern,

die Male sagt net nee.

Oder:

Die Kaffeekann, die Kaffeekann,

die steht uf'm Fensterbrett;

die Zutt is ab, die Zutt is ab,

vun Kaffee is ka Red.

Und:

Als ich a klaanes Mädje wahr,

do ging ich en die Blumme;

als ich bisje größer war,

do küßte mich die Junge.

Mit den Tolpatschen wurde auch scharf abgerechnet:

Unser Maad un's Nochbersch Maad,

die geh'n minanner wäscha;

die aan, die hot dr Rock verbrennt,

die anner muß'n löscha.

Auch in der Einschätzung seiner anderssprachigen Umgebung war der Wolgakolonist „korz g'knippt":

Dort drunne en dem Talche,

dort schnellen: 'n Fisch.

Mädje, willst du heirate?

Ja, ja gewiß.

Heirat nur, heirat nur,

heirat nur ka Russabu.

Daß die Nachbarn der Kolonisten oft liederliche Personen waren, kommt im folgenden Reim zum Ausdruck:

Russka-pusska Lämmerschwanz,

hot sei drei Kopie v'rtanzt.

Uber den Charakter der Russen hat der Kolonist eine eindeutige Meinung:

Dr Ruß' hot noch amoul 'n Ruß em Busem

(im Leib).

Auch machten sich die Kolonisten auf derbe Weise über ihre Landsleute lustig, für die Russisch ein Chinesisch war:

Zwei Russisch-Unkundige wollen um Übernachtung bitten; einer von ihnen „fragt" am Fenster:

„Skoro notsch";

die Antwort: „ja wischu",

übersetzt der andere mit: „do därf 'mer net

nai, die walke Filschuh".

Unverrichteter Sache geht's weiter.

Auch auf politische und welthistorische Ereignisse reagierten die Kolonisten prompt mit dem Napoleonslied:

„Napoleon, du Schustersgeselle

..

Und auf die kommunistische Internationale hatte man sofort ein gepfeffertes Gegenstück; hier nur der Schluß:

„Die Hinkels Wes Natale

erkämpft das Giekelsrecht. .

Kurz, aber oho! Und Wortwahl, Silbenzahl, Betonung - wie alles stimmt! Ein übriger Beweis, daß die Kolonisten gar net so hölzern waren, wie sie rappelten und wie es viele ihrer neidischen Verleumder und Widersacher gerne gesehen hätten.

Und zum Schluß noch ein:

Einladungsspruch zur Hochzeit

Guten Abend, ihr lieben Leut!

Wir bekündigen euch große Freud:

Wir sind von den Hochzeitsvätern gesandt,

Das könnt ihr sehen am Stock und Band,

und auch von Braut und Bräutigam.

Sie lassen euch bitten insgemein,

ihr sollt die Hochzeitsgäste sein;

mit ihnen in die Kirche geh'n

und ihre Freude mitanseh'n.

Und wenn die Trauung ist vorbei,

da macht die Musik ein Geschrei;

dann geht es nach dem Hochzeitshaus,

da ist vorhanden ein fetter Schmaus,

denn allerlei Vieh ist angeschafft:

Ochsen, Küh, Kälber und Schwein

werden dort die Menge sein,

und dazu auch viel Federvieh,

das kam geflogen in aller Früh.

Ich will euch aber nicht belügen,

ich selbst sah sie nicht dorthin fliegen.

Ein Hahn der ist so fett

wie ein gedörrtes Wagenbrett;

eine Kuh, die ist so hoch,

daß kaum ein Vogel darüber flog;

glaubt, diese ist gewiß nicht klein,

hat hundert Pud an einem Bein.

Ein Kalb von sieben Wochen

hat dreißig Pud fast ohne Knochen.

Im Keller liegt ein starkes Bier;

glaubt nur, es graut mir selbst dafür.

Hab ich euch dieses kund getan,

mein Stock der möcht ein Bändchen han;

Bekommt er nun ein schönes Band,

so mach ich euch noch mehr bekannt.

(Er bekommt ein Band.)

Beim Henker? was fällt mir noch ein:

Ich bin ganz still vom Branntewein, -

und sind doch alle Flaschen voll,

das weiß doch der Zelowalnik wohl.

Gebt ihr mir ein Glas mit Bier,

dann bleib ich noch ein wenig hier;

Gebt ihr mir ein Glas voll Wein,

das würd mir noch viel lieber sein.

Viel mürbe Kuchen sind im Ofen,

sind von der Susel reingeschoben,

und diese sind recht braun gebackt,

das Fleisch ist kurz und fein gehackt.

Auch sitzen Musikanten da,

die spielen hopsa, trallala!

Mit Geigen, Hackbrett, Dudelsack,

da kann man tanzen nach dem Takt.

Auch steckt euch Messer und Gabel ein,

es wird was zu zerschneiden sein;

wenn ihr sie aber tut vergessen,

da müßt ihr mit den Fingern essen.

Es liegt mir fern, den Eindruck erwecken zu wollen, die Sprichwörter und Redensarten wären alleiniger Besitz der Wolgadeutschen. Auch in anderen deutschen Siedlungsgebieten wurde dieser Schatz mit großer Sorgfalt und Liebe gepflegt, und der Einfluß war wechselseitig. Die eine oder andere Redensart mag ihren geographischen Geburtsort haben (der läßt sich oft auch als spezifisch ortsgebunden nachweisen). Vieles aber haben die Kolonisten aus der alten Heimat mitgebracht und betrachten es bis heute als ihr geistiges Erbe. Manches Sprichwort kommt etwas verändert, manche Redewendung „abgewandelt" auf örtliche Verhältnisse und Gegebenheiten angepaßt vor. Wichtig ist, daß sie in ihrem Grundton bis heute fortbestehen.

1. Sprichwörter

A Sprichwort,

a wohr Wort*.

Die Ausfahrt waas mr, äwer die Eifahrt net. (4)

Aus dr Aache, aus 'm Sinn. (4)

Sich die Aacha rausgucka. (9)

A' Kräh hackt dr anner Kräh die Aache net raus. (5)

Allzuviel is ungesund. (4)

Der is so mit Ach un Krach drvu' komma (4)

Wie die Alta sunga, so zwitschern die Junge. (5)

Aller Oufang is schwer. (5)

Dr Appel fällt net weit vum Stamm, so wie dr Bock, so 's Harn. (4)

Des kann ich mr doch net aus 'm Ärmel schittla. (3)

Wie die Arweit, so dr Lohn. (5)

- - - -

*Die Ziffern in den Klammern bezeichnen den Herkunftsort (Sammelort) des Sprichwortes oder der Redensart:

(1) Blumenfeld           (7) Seelmann

(2) Friedenberg          (8) Stahl

(3) Gnadentau            (9) Warenburg

(4) Kana                     (10) Wiesenmüller

(5) Kukkus                 (11) Brunnental

(6) Saratow

- - - -

's Alter is a schweres Malter. (5)

Bei dem sein die Aache größer wie dr Macha. (4)

Do drzu muß mr halt a Aach zudricka. (5)

Ich loß mr ka Sand en die Aache straa. (3)

Aacha un Ohra ufsperra. (7)

Der macht 'n Hals, als wenn 'r a Arschin g'schluckt hätt'. (9)

Do sein mr erseht die Aacha ufganga. (4)

Etwas jemand vun dr Aacha abgucka. (4)

Das seha alla bösa Aacha gern. (5)

Die (der) muß bei dena alles auspatscha. (4)

Das is jo zum Ärmel rausreißa. (4)

Spaß kann mr mache, nor ka Ärmel rausreißa. (4)

Der (die) is noch so mit ma bloua Aach drvukomma. (4)

Was ahner mit g'sunda Aach sieht, sieht an Blina ach mit dr Brill net. (6)

Alt g'nuch un doch net kluch. (6)

Das paßt wie die Faust uf's Aach (Auge). (4)

Wer „A" saht, muß ach „B" saha. (4)

'm Arma bläst immer dr Wind en's G'sicht (6)

's Bösa kommt g'ritta, geht ewer fort en Schritta. (5)

's Borche macht Sorcha. (9)

Der geht drum rum, wie die Katz um dr haase Brei. (4)

Wer dr Brei agerehrt hot, muß 'n aach ausfressa. (4)

Do such moul aaner Brot em Hundestall. (4)

Gleicha Brüder, gleicha Kappa. (4)

Do kommt die Brüh teirer wie die Brocka. (4)

Das geht grod wie mit Butter g'schmehrt. (3)

Naie Besä kehra gut, alta Storra kratze.

Der tut liecha, daß sich Balga biecha.

Der reißt Bähm raus. (4)

Der hot 'm s Baa g'stellt. (3)

Was mr net em Kopp hot, muß mr en dr Baa hu'. (4)

Der steht fest uf dr Baa'. (6)

Der hot nix zu beißa un nix zu reißa. (6)

A schlecht Beispiel v'rderbt guta Sitta. (9)

Wann des wohr is, freß ich 'n Besä. (9)

B'trug is net klug. (6)

Dr ahna hot dr Baitel, dr anra hot's Geld. (4)

's muß reißa odr brecha. (5)

Das is grad so gut wie dr Bock melka. (6)

Ich loß mr ka Brill uffsetza (lasse mich nicht betrügen). (4)

Fester Boda uner die Füß kriea. (6)

Die (der) hot den Brouta (Braten) g'rocha (kam dahinter). (4)

'm Taach die Aacha rausbrenna. (7)

.. wu die Welt mit Bretter zu is. (6)

Das geht jo grad wie's Bretzelbacka bei dera. (6)

... das griht mr jetzt uf 'm Brot zu essa. (4)

Jemand den Brotkorb hoch hänga. (7)

Kannst mr dr Buckel nuner rutscha. (5)

Sei Bündelcha schnüre (sich fertig machen). (4)

Das is mr a B'scheerung (Überraschung). (10)

Sich grün un blou ärgra. (2)

Besser a Stück Brot en dr Tascha, als a Fedder am Hut. (6)

Vorna beißt' se un hina schmeißt' se (ihr ist nicht beizukommen). (4)

Gasemist (Ziegenmist) und Tauwemist - läßt den Bauer wer er ist. (7)

Der (die) freßt wie 'n Bilschik (vom russischen „Pilschtschik"). (4)

Wann dr „hätt" und „wann" net wär', hätt' dr Bock a Lämmcha. (4)

Dr Brei werd net so haas gessa, wie 'r g'kocht werd. (4)

Der (die) läßt alles bimbla un bambla (ist grenzenlos gleichgültig). (4)

Der (die) wehrt sich wie 'n Tanzbär. (4)

An „Dahoschta" is mr liewer wie drei Bittaschö". (11)

Dummheit un Stolz wachsa uf aam Holz. (11)

Wie du mär, so ich dar. (4)

Der schläft wie 'n Dachs. (2)

Der wehrt sich wie 'n Dachs. (2)

Wer sich net nouch dr Deck streckt, dem bleiwa die Füß u'b'deckt. (4)

A gut Ding will Weila han.

Däs is mr grad a Dorn em Aach. (1)

Der (die) guckt wie a Ent, wann's dunnert. (11) Wer Dreck ougreift, b'sudelt sich. (1)

Der (die) steht do, so wann 'r ka drei zähle kennt. (4)

Mr soll dr Dreck net aus'm Haus traga.

A ufs Dach kriega (auf'n Kopf).

's geht uf Daiwel komm raus ('s letzte hergeben). (4)

Dem hun ich an Denkzettel ohg'hängt! (4) Do gehts dorch dick und dinn. (4)

Däs geht net mit rechta Dinga zu (Schwindel). Doppelt reißt net.

Der (die) v'rsteht 'n Dreck (Profan, dumm).

Do geht alles drunner un driwer (kopfüber). (4)

Sich etwas aus 'm Dauma suckla. (4)

Der (die) hot auf alles sei Deckeicha (auf alles eine Antwort bereit). (2)

Fersch Denka kam'r niemand henka. (11)

Wu's dinn is, do reißt's. (5)

Wann die ens Dippa guckt, wärd die Milch gleich sauer. (11)

Wer sich net satt eßt, leckt sich ach net satt. (4)

... sieha sich so ähnlich wie a Ei 'm anra. (9)

Der kennt sie Lex aus 'm Effeff. (4)

Die (der) geht wie uf Eier.

Eichalob stinkt.

Der (die) hot Eifäll wie a alt Haus. (11)

Ich loß mich net uf 's Eis führa.

Not brecht Eisa.

's dicka Daal kommt hina nouch. (4)

Ende gut, alles gut.

Dorch Erfahrung werd mr klug.

Wann's 'm Esel so wohl wärd, gieht 'r uf 's Eis. (1)

Ehrlich wehrt am längsta.

Dem (dera) ist die Erd uner dr Füß has g'wora. Kümmer dich net um u'g'lechta Eier (Aaer). (4)

Däs wer's En vum Lied.

Alles hot a En (End), nor die Lewerworscht hot zwaa Enner. (9)

Etwas 'm Erdboda gleich macha (völlige Vernichtung).

A guter Eifall is drei Batza wert. (9)

Edelmann un Bettelmann - jeder lebt so wie 'r kann.

Der hot 'm 's Fell iwer die Ohrn g'zoucha.

Der (die) geht fer den (die) dorch's Feier.

Die is wie aus dr Flint (adrett, hübsch).

Däs sein faule Fisch (Lügen).

Die (der) hot's fausdick hinner dr Ohrn sitza. (4)

's Fett schwemmt owadruf, un wann's vom Hund is. (4)

Däs is Fett en's Feier.

A g'brennt Kind scheit 's Feier.

Do kennt mr Feier un Flamma speiza. (4)

Der (die) hot lange Finger (stiehlt).

Dem muß mr uf die Finger gucka (auf ihn aufpassen).

Die hot sich schun moul die Finger v'rbrennt (war schon mal „reingefallen").

Die macht kan Finger krumm (kümmert sich um nichts).

Do derf mr ka'n Fingerbraat nochgewa.

Do fiehlt mr sich wie 'n Fisch em Wasser.

Jemand uner die Fittich nemma (in Schutz nehmen).

Ohne Fleiß kein Preis.

En dr Not freßt dr Daiwel Fliecha.

Wer net höra will, muß fühla.

's is dr best, wann mr fünf grad sei läßt. (4)

... so viel wie's fünfta Rad am Wacha.

Die is heit mit 'm linka Fuß erseht ufg'stanna.(1)

Wer gut futtert, der gut buttert. (5)

Auf eigene Faust.

Ka langa Federlesa macha (ohne Umstände). Dem (dera) hun ich's Fell g'gerbt (geprügelt).(4)

Der (die) is an (a) dickhaitiga (Haut).

Die Flint ens Korn werfa (nachgeben). (9)

Der Gaul stolpert un hot vier Baa'. (11)

Alla Fartel gilla (keine Einschränkung). (4)

A früh Eh, - früh Weh'.

Reim dich, oder freß'dich. (6)

Freß'ta, kriegst'ra, freß'ta net, kriegst'ra widder.(11)

Wa'mr dem dr glaana Finger gebt, will 'r die ganz Hand. (4)

Goldna Tressa un nix zu fressa. (6)

's is net alles Gold, was glänzt.

Geld rechiert die Welt. (5)

Des is garnet mit Geld zu b'zahla (teuer, wertvoll).

Dera (dem) hot's en's Gärtje gerechnet (hatte Glück). (9)

Dumm wie a Gans.

G'schehnes läßt sich net u'gschcha macha.

Die sieht aus wie a Gans, wann's wetterleichta tut. (11)

Jemand dr Garaus macha (umbringen).

'ma g'schenkta Gaul guckt mr net ens Maul. (4)

Däs is g'hupt wie g'sprunga (kein Unterschied). (11)

Fehr Geld un guta Worta griet mr Hutzel in Asch g'lesa. (4)

Gelegaheit macht Diewa.

Wer 's Glück hot, dem kalbt ach dr Ochs.

's passiert nix, dann's is gut vor was.

Hot Geld wie Mist (Heu u. a.).

. .. macht a G'sicht wie drei Tag Regawetter.

Mr muß net alles gleich an die grouß Glock hänga. (Nicht ausposaunen).

Do kräht kan Gickel mehr d'rnouch.

Der guckt wie 'n Schoufbock uf a nai Tor.

Bend die Gickel ou! (Ausdruck der Verwunderung).

Mit dr Gawel is 's Ehr, mit dr Finger krieht mr mehr.

U'recht Gut g'deiht selta gut.

Gebt's em Juni Donnerwetter, werd ach des Getreida fetter.

Kräht der Gickel uf 'm Mist, ännert sich 's Wetter, ewer bleibt wie 's is.

's kann ach g'loga sei, wann's nour rund is. (4)

Häst mr g'pifa, hätt ich dr g'tanzt. (4)

Vum G'ruch werd mir net satt. (11)

Gleich un gleich g'sellt sich.

Die hot sich hait moul 's Herz ausg'leert. (Die Not geklagt). (4)

Jedes Heische hot sei Weische.

Sei Heller zu etwas gewa (seine Meinung sagen).

Die hot Hohr uf dr Zung. (11)

Hohr (Haare) geha lossa (Schaden erleiden).

Der is Hahn em Korb.

Sich ka groua Hohr driwer wachsa lossa.

Was a Häkcha were will, krimmt sich beizeita. Ka Hohr brat nochgewa.

Däs Ding hot 'n Hooga. (11)

Do stella sich am die Hohr zu Berg. (4)

Däs is net halb un net ganz.

Hals iwer Kop (ohne zu überlegen, schnell). (4)

Wie dr Hall, so dr Schall. (6)

Däs kirnt mr schun am Hals owa raus (übersatt). (4)

A Hand wäscht die anner. (5)

Do g'hört Hand oug'legt (hart gearbeitet, mit Verstand). (11)

Da hot jemand sei Hand em Spiel.

So uner dr Hand etwas macha (so nebenbei).

Do drfehr leg ich die Hand en's Feier.

's steht (liegt) en guter Hand (ist zuverlässig). (9)

Das hot Hand un Fuß.

En die Hand nai versprecha (Gewißheit geben). (4)

Do is mr an Hän un Füß g'bunna.

Die Hänn (Hände) en Schoß lecha (nichtstun, faulenzen). (4)

Mit leera Hänn ausgeha (nichts erreichen). (2)

Der is gar net so hölzern, wie 'r rappelt. (11)

Wem net zu routa is, dem is ach net zu helfa. (4)

Mit viel hält mr Haus, mit wenig kirnt mr aus.(9)

Besser ich hun dich, wie ich krieh dich. (4)

Dr letzta beißt dr Hund. (4)

Do bist'a uf'm Holzweg (falsch geurteilt). (4)

Wann's Hinkel gackst, legt's ach. (1)

Mit dr Hinkel schloufa geha (früh ins Bett).

Die Hünkelcher (Küken) wer'n dr Herbst g'zählt.

Das goung (ging) wie em Handumdreha (blitzschnell). (7)

's Haus uf 'n Kop stella (Durcheinander anrichten). (n)

Bring mich net aus'm Häusche (reize mich nicht zum Zorn). (1)

.. . mit Haut un Hohr (restlos, alles verloren). Dr Hehler is so gut wie dr Stehler. (5)

Wie dr Herr, so 's G'scherr (Geschirr). (4)

's is net leicht, zwaa Herra diena. (6)

Do lacht am 's Herz em Leib vor Fraad. (9)

Heit (heute) em Putz, morga em Schmutz (6)

Do hot mr dr Hihweg vor'n Herweg (alles umsonst). (4)

Do geht's her wie bei Hof (mit großem Aufwand). (4)

Aner (einer) dr Hof macha (sie umwerben). (1)

Dem (dera) hun ich die Hell (Hölle) haas g'macht. (Gezeigt). (1)

An dem (dera) is Hopfa un Malz v'rlora (hat keinerlei Aussicht).

Däs is net „Hü" un net „Hottj" (weder das eine noch das andere). (4)

Em Haus hot die die Hosa a (hat das Sagen). (1)

Wann's hinnern Hund soll geh', hot 'r 's Leddar g'fressa. (11)

Jeder kehr' vor seiner Tür.

U'verhofft kommt oft. (11)

Däs hosta noch uf 'm Kerbholz. (1)

Mit'm Kop kammr net dorch die Wand. (7)

Mr muß 's Kind beim Nouma nenna. (4)

Jetzt geht 's m (ihr) an Kraga (kommt die Abrechnung). (4)

Da, Katz, hosta 'n Fisch, ens Wasser gehst 'a doch net. (5)

's klügst Daal (Teil) gebt nouch. (4)

Klaader (Kleider) macha Leit, un Lumpa macha Leis. (9)

All 'iwer an Kamm schera. (4)

Die Kuh hot die Milch uf dr Zung. (7)

Wen's juckt, der kratzt sich. (6)

Jedem Narr g'fällt sei Kapp. (4)

Kimmer dich net um ug'legta Aaier. (4)

Do kräht kan Hahn mehr d'rnouch. (11)

Jetzt is mr erseht a Licht ufganga. (4)

Die will sich jo grad zum a Löffelkörbje lacha.(1)

Jemand 's Licht ausblousa (umbringen). (4)

Die Läng' brengt die Last. (4)

Jemand die Lifitta vorlesa (gehörig ins Gebet nehmen). (6)

Der (die) lügt wie g'druckt. (11)

Sich links macha. (5)

Wer dr letzt lacht, lacht dr best. (4)

Wer 's lang hot, läßt 's lang schleppa. (3)

Alt Lieb rost net. (4)

's Lewa (Leben) lob' beim Tod un dr Tag dr Ouwet (Abend). (6)

Wer gern lacht, der kitzelt sich selbst. (7)

'm Mensch sei Willa is sei Himmelreich. (4)

Do beißt ka Maus ka Fade ab. (Endgültig). (4)

Dr Muß is a harte Nuß. (5)

Wer dr erseht kommt, der malt dr erseht. (4)

Sich etwas vum Mund abzwacka (auf Kosten des eigenen Magens sparen).

Wann die Maus satt is, schmeckt 's Mehl bitter. (4)

'n guta Nouma bringt Kredit un is ach besser wie Profit. (6)

Der hot 'm Nagel uf 'n Kopp g'troffa. (11)

Nout sucht ohne Scham Brot. (10)

Nout brecht Eisa. (11)

Nout kennt ka G'bot. (11)

Nout lernt beta un ach stehla. (11)

's Nascha macht leera Tascha. (6)

Do kommsta net weit, wann'sta nor mit am Ohr zuhorcha tust. (6)

Das is ach grad so, wie wam'r 'm Ochs en 's Horn det petza. (4)

Vum a Ochs kam'mr net meh nema wie Rindflaasch. (9)

's Recht mit Füßa treta. (4)

'n Ruß hot noch 'n Ruß em Busem (im Leib) (4) Der stinkt wie 'n Ruß. (4)

Spar en dr Zeit, do hosta en dr Not. (11)

Wammr sich uner die Kleia misch, fressa am die Säu. (3)

Sammet am Kraga, un Kleia em Macha. (6)

Die (der) hot ehra (sei) Schäfche g'schora. )n) Wu mr hackt, gebt 's Späh'. (1)

Wer dr Schade hot, brauch' fer'n Spott net zu sorga. (11)

Der schwemmt wie 'n eiserna Pohl (geht unter). (4)

Striegel un Streu tun meh als Heu. (9)

'n kla'na Streit is dera liewer wie 's besta Fressa. (4)

Sich aus 'm Staab (Staub) macha (verschwinden). (4)

V'rfährt jo grad wie die Sau mit 'm Bettelsack.(4)

Do kommst'a am Schuck raus (wirst vernichtend geschlagen). (11)

Wer gut schmeert, der gut fährt. (1)

Zufriedna Schouf geh'n viel in an Stall. (1)

Weit d'rvu, is gut fer'n Schuß. (4)

Der (die) kommt mit Sack un Pack (mit Kind und Kegel). (1)

Wer dr Schaade hot, brauch' vor'n Spott net sorga. (5)

Däs is mit 'm Torflichel g'wunka. (11)

Wie mrsch treibt, so geht's.

's is noch kaam a g'brodena Taub ens Maul g'flocha. (11)

Wer net traut, dem is net zu traua. (1)

V'rklag moul dr Teifel bei seiner Großmodder (aussichtslos). (4)

Übermut tut selta gut. (6)

Unkraut v'rgeht net. (1)

Jemand uf dr Verschta folcha. (3)

Der (die) lebt wie dr Vogel em Hanfsohma. (9)

Viel laad' mr uf dr Waaga. (4)

Vorsicht is vor alla Dinga gut. (5)

Wamm'r dr Wolf nennt, kommt'r g'rennt. (4)

Wamm'r unr dr Wölf is, muß mr mit 'na haila. (4)

Dr Wolf v'rliert die alte Hohr, ewer net die alte Nuppa. (4)

Wer die Wahl hot, hot ach die Qual. (11)

Wer nix woucht, g'winnt nix. (1)

Von etwas Wind bekommen (in Erfahrung bringen). (5)

Wann 's drouf un drou gieht (wenn es gilt). (4)

Däs is so gut wie's Wasser im Sieb tracha. (1)

Däs is Wasser en Brunna g'tracha. (1)

An Wolf em Schlouf fängt nie a Schouf. (11)

Dr Wolf freßt ach die g'zeichelta Schouf. (4)

Ich weis' (zeige) dr, was 'n Dengelstock is. (4)

Was ich net waas, macht mr net haas. (4)

Wer net will, der hat, und wer net mag, is satt.(11)

Mit Sacht' und B'dacht hot's schun mancher weit g'bracht. (6)

Der (die) hot die Welt vor'n Bachofa v'rhanelt. (9)

Kommt Zeit, kommt Rat. (6)

Zeit un Zeit is net gleich. (6)

Die Zeita sain verännerlich. (4)

Wer net kommt zur rechte Zeit, muß essa, was em Groppa bleibt. (4)

Ach dr Breifresser hot Zäh (Zähne). (11) Rechert's net, so treppelt's doch. (4)

Däs läßt sich net iwr'm Knie abbrecha. (4)

Jeder Hinkel scherrt noch sich zu. (11)

Sich knippeidick fressa. (11)

Drhahm is drhahm un hinner'm Ouwa is noch amoul drhahm. (4)

Wem die Kuh g'hört, der kriet's am Schwanz. (3)

Aus aigena Hait is gut Riema schneide. (11)

Amoul is kamoul. (4)

Wer's ufhänge g'wöhnt is, dem macht's Bambla nix meh aus. (11)

Do beißt ka Maus ka'n Fade ab. (4)

Die v'rsteht dodrvu soviel wie die Kuh vum Sonntag. (11)

Mr muß so macha, daß die Kärch em Dorf bleibt. (4)

Kau'a wie a Häsche un schlucka wie 'n Wolf. (3)

Der (die) guckt dr Himmel fehr'n Latwärcha- kucha ou. (11)

Besser an Spatz en dr Hand wie a Taub auf'm Dach. (6)

Un wamr so alt werd wie a Kuh, muß mr immer noch lerna drzu. (1)

Die nemmt 'm ka Ruß meh ab (die Prügel). (4)

Wer glaabt, werd seelig, wer Lahma treta tut, werd schmeerig. (11)

Dr Mädjer, wu paifa, un dr Hinkel, wu kräha, muß mr all die Köpp umdreha. (11)

Uf a grob Klotz ghärt 'n growe Kail.

Wer net mit dr Katz geecht hot, was net, wie sie zieht, (11)

Wäsch mr dr Pelz un mach'n net naß. (11)

Noch'm Essa is mr g'scheiter wie vor'm Essa.

Wam'r alles wüßt', wär mr schun lang reich. (4)

Zwaa Stiwel sein a Paar.

's is noch ka G'lehrter vum Himmel g'falle. Däs kost Verschtageld. (4)

Däs nennt mr g'lammt, vun siewe Schouf ver- zeh' (vierzehn) Lämmer! (11)

Wann mr lait (liegt), ruht dr ganze Körper. Fehr's Gestricha gebt dr Jud nix.

Die sich schella, die sich wella.

's gebt viel scheckicha Hun (Hunde), die wu Biwis hasa.

Nem dei Spott un schmier dr die Stiwel.

Wer Pech ougreift, b'sudelt sich.

Wann ahner ka Zwiwel gessa hot, stinkt'r net noch Zwiwel.

's Blut wärd net zu Wasser.

Däs is uf meiner Gas g'ritta.

A.Keil